Monthly Archives: September 2014

Charlotte Mason Serie (2)

Mathematik zum Aufbau von Konzentration und exaktem Ausführen

Gehen wir gleich zur Sache. Die ersten Fragen sind bereits aufgetaucht. Es geht um das Thema Mathematik und Länge der Lektionen für einen Mittelstufenschüler (5. Klasse).

 

Stetiger Ausbau der Konzentration

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Mason diese Dauer von Lektionen (15-20 Minute Unterstufe, 20-30 Mittelstufe, 30-45 Oberstufe) selber so angeordnet hat. Mir ist jedoch bekannt, dass in CM-Schulen diese Längen empfohlen werden. Hinter diesen Überlegungen stehen zwei wichtige Leitideen Masons.

  1. Die Gewohnheit der Aufmerksamkeit
  2. Die Gewohnheit des exakten Ausführens

Ich glaube, dass gerade Mathematik die Gelegenheit bietet, diese beiden Gewohnheiten bei einem Kind zu etablieren. Ich gehe mit Mason einig, dass die Gewohnheit der Konzentration langsam und stetig auf- und ausgebaut werden soll. Wir haben selber erlebt, dass wir nach einem Jahr öffentlichen Kindergarten mindestens zwei Monate benötigten, um die Grundaufmerksamkeit unseres Kindes zurückzuholen.

 

 

Mathematik mit meinem Fünftklässler (Beispiel)

Zurzeit wählte ich mit meinem Ältesten Ende Primarschule folgendes Vorgehen:

  • Mathematik kommt zuerst, weil Mathematik das Arbeiten in der (relativen) Schwäche darstellt. Es geht darum zu lernen, das Wichtige und Schwierige nicht aufzuschieben.
  • Ich habe gemerkt, dass es zur „Einstimmung“ jeweils einen schriftlichen Block braucht. Also schicke ich ihn mit einer Seite Aufgaben aus dem Zürcher Lehrmittel ins Zimmer. Er hat es sich zur Gewohnheit gemacht, 30 Minuten auf der Uhr zu stoppen. Mindestens fünf Minuten soll er dazu verwenden, „unsichere“ Resultate nochmals zu überprüfen. Ich frage ihn jedes Mal, ob er die Aufgaben, die er sich mit einem Punkt markiert hat, nochmals überprüfen konnte.
  • Nach der ersten Einheit folgt in der Regel 15 Minuten mündliche Arbeit, sprich Kopfrechnen. Je nach Müdigkeit frage ich zwischen 12 und 20 Rechnungen ab.
  • Drittens löst er direkt im Anschluss ans Kopfrechnen ein bis zwei schwierige Satzaufgaben aus Übertrittprüfungen. Diese Aufgaben kontrolliere ich direkt im Beisein von ihm. Wir reflektieren zusammen, welche Überlegungs- oder Flüchtigkeitsfehler unterlaufen sind.
  • Insgesamt dauert diese Einheit etwa 75 Minuten. Danach geht er ans Klavier, um sich zu entspannen. Ich habe aber den Eindruck, dass Musik eine ideale Ergänzung zum Mathematikunterricht ist.

 

Antwort

Zurück zur Frage: Ich würde nie sklavisch an diesen Lektionenlängen festhalten, sondern vielmehr fragen: Wo steht mein Kind zurzeit bezüglich Aufmerksamkeit? Wie könnte ein nächster aufbauender Schritt aussehen? Wie kann es mir gelingen, diesen Ausbau in einigen Monaten sicherzustellen? Im „Tagesgeschäft“ wäre es mir zudem wichtig in Erfahrung zu bringen, wie müde das Kind ist; bei welcher Art von Tätigkeit es gerne „aussteigt“ (= sich ablenken lässt). Ich neige eher dazu, die Einheiten zu lange zu halten und das Kind damit zu frustrieren.

 

P. S. Selber habe ich nach Jahren den Eindruck, dass Mathematik nicht eben die Stärke von Masons Ansatz darstellt. Es lässt sich jedoch sehr gut mit den Grundideen Masons kombinieren!

 

Hanniel (38) und Anne Catherine (35) unterrichten ihre Kinder, fünf Söhne im Altern von 10, 8, 6, 4 und 2 Jahren, seit 2008. Anne Catherine ist Grundschullehrerin, Hanniel arbeitet Teilzeit als Personalentwickler in einer privaten Spitalgruppe.

Hanniel bloggt auf  http://hanniel.ch/  und ist Verfasser des Buches „Home Education“ (VKW: Bonn 2011).


 

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Charlotte Mason: Eine Bildungsphilosophie von gestern für morgen (1)

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Für eilige Leser: Charlotte Mason lebte von 1842-1923 und entwickelte durch ihre lebenslange Tätigkeit als Lehrerin, Leiterin einer Lehrerausbildungsstätte und Autorin in Jahrzehnten grossen Umbruchs einen dritten Weg neben herkömmlicher Ausbildung (starke Betonung der Weitergabe von fixierten Inhalten) und neuen Ideen der Reformpädagogik (starke Orientierung an der kindlichen Aktivität).

Hinweis: Dieser kurze Artikel ist Auftakt zu einer Serie über Charlotte Mason. Ich schildere darin meine eigenen Erfahrungen in den letzten acht Jahren, seitdem ich Ideen im Unterricht mit meinen Kindern selbst umsetze. Diese Serie lebt auch von euren Fragen, die ihr mir stellt. Gerne gehe ich darauf ein. Bitte stellt sie unten im Kommentarfeld ein!

Ich kann mich gut an den Moment erinnern, als mir dämmerte, dass „Montessori“ eher ein Label mit einer Vielzahl methodischer Anregungen und einer kleineren Anzahl gemeinsamer Prinzipien umfasst, als dass es sich um das Lebenswerk von Maria Montessori handelt. (Die Ideen von Montessori selbst sind überdies ziemlich nebulös.) Das heisst, es haben nach Montessori zahlreiche Menschen, orientiert an gewissen Leitideen, das Label geprägt, verändert und weiter entwickelt.

In gewisser Weise verhält es sich bei Charlotte Mason (1842-1923) ähnlich. Der grösste Unterschied ist wohl der, dass Mason selbst im Schulzimmer stand und ausserdem lebenslang in der Lehrerbildung tätig war. Susan Schaeffer Macauley, Tochter von Francis und Edith Schaeffer, hat in den 80-er und 90-er Jahren mit der Neuauflage von Masons Schriften sowie dem Buch „For Children’s Sake“ stark zur Wiederentdeckung Masons beigetragen.

Heute hat sich Mason als Erziehungsphilosophie im Bereich christlicher Privatschulen und in der Homeschool-Bewegung der USA einen festen Platz gesichert. Markus Spiegler unterscheidet in seiner Dissertation „Home Education in Deutschland“ (2008) zwischen drei Grundprägungen häuslichen Unterrichts (S. 78-85):

  1. Homeschooling – „Schule zu Hause“: Die Methoden der Schule werden auf den Unterricht zu Hause übertragen.
  2. Unschooling – „natürliches Lernen“: Das selbstaktive Lernen wird stark betont, es besteht keine oder kaum strukturelle Anleitung.
  3. Home Education – „Bildung zu Hause“: Kombination von grosser methodischer Flexibilität und einer intensiven Begleitung der Eltern.

Wer sich für den dritten Ansatz entscheidet (ich zähle mich selbst dazu), findet bei Mason eine Fülle faszinierender Anregungen.

Vertiefung: In meinem Buch Home Education habe ich auf S. 69-87 Mason und ihre Bildungsphilosophie kurz vorgestellt und bewertet. Das Buch kann hier frei heruntergeladen werden.

 

Hanniel (38) und Anne Catherine (35) unterrichten ihre Kinder, fünf Söhne im Altern von 10, 8, 6, 4 und 2 Jahren, seit 2008. Anne Catherine ist Grundschullehrerin, Hanniel arbeitet Teilzeit als Personalentwickler in einer privaten Spitalgruppe.

Hanniel bloggt auf  http://hanniel.ch/  und ist Verfasser des Buches „Home Education“ (VKW: Bonn 2011).


 

 

 

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Eichhörnchenbasteleien und mehr

 

Die ersten Wochen sind vorbei und wir mühen uns mit dem Einüben von neuen Gewohnheiten ab.

Der (fast ) Dreijährige muss jetzt seine Spiele immer alleine einräumen , wo wir im Sommer noch nachsichtig waren.

Der Sechsjährige lernt seine Aufgaben gewissenhaft und ordentlich zu erledigen .Ich erwarte , dass er bis zu 30 Minuten bei einer Aufgabe , oder bei einem Spiel sitzen bleibt.

Der Achtjährige wird beim Schreiben sehr an seine Grenzen gebracht. Neben dem Erlernen der Schreibschrift ( davon gibt es jeden Tag ein Blatt ) ,muss er bis zu einer Seite täglich im Heft Sätze bilden , oder  abschreiben .

Das läuft natürlich nicht ohne Protest ab , aber jetzt Anfang des Schuljahres wird die Arbeitshaltung eingeübt.

Ich erledige meine Arbeit ohne Murren und mit Sorgfalt.

Wenn es mir zuviel wird , dann kann ich eine andere Arbeit wählen , oder den Rest am Nachmittag erledigen.

Arbeite ich zügig , dann habe ich eine längere Pause. (Meist von 10.30-11.00 )

Die beiden älteren Kinder haben auch neue Herausforderungen zu bewältigen.

Der Lernstoff wird schriftlich selbständig zusammengefasst. Die eine Tochter macht das mit Leichtigkeit , während die andere an ihre Grenzen kommt.

Ich bin aber fest von dieser Methode überzeugt , weil soviel Wertvolles dabei gelernt wird:

Ich lese den Text.

Ich fasse den Inhalt mit eigenen Worten zusammen.

Ich zeichne ein Bild , oder eine Graphik dazu.

Ich lese weiterführende Literatur zum Thema , oder suche im Internet nach mehr Infos.

Schwierige Wörter suche ich im Wörterbuch und schreibe die Erklärung ins Heft.

Orte ,Gebirge und Seen schlage ich im Atlas nach.

 

Immer mehr interessiere ich mich für die Lernmethoden nach Charlotte Mason.

https://simplycharlottemason.com/

Zuerst dachte ich , dass diese Methode durch unsere Prüfungssituation in Österreich nicht brauchbar wäre.

Aber mit ein bisschen Planung lassen sich einige Ideen umsetzen.

Mit”Living books “,also Bücher, die Lerninhalte spannend in einer Geschichte präsentieren , wie unser Eichhörnchenbuch :

Elli

 

http://www.amazon.de/Eichh%C3%B6rnchen-Tiere-erleben-verstehen-Grossschrift/dp/3439827410/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1411484824&sr=8-1&keywords=Elli+%2C+das+Eichh%C3%B6rnchen

Dazu haben wir ein Eichhörnchen aus Karton doppelt ausgeschnitten , in der Mitte des Tieres einen großen Kreis ausgeschnitten und ein Hasengitter eingefügt.

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Die beiden Burschen (6  Jahre und 8 Jahre) haben mit Ölkreiden das Tier angemalt und im Hasengitter mit Wollfäden Maschen und einfache Knoten geübt.

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Nach unserem Homeschoolseminar werden wir uns mit Goethe und mit Leonardo da Vinci beschäftigen.

Ihr werden auf jeden Fall viele Bilder und einen Bericht von unserem Seminar zu sehen bekommen !


 

 

 

 

Category: Allgemein

Robinson Crusoe

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“Robinson Crusoe, 18 Jahre alt, wollte schon immer aufs weite Meer hinaus und große Abenteuer erleben. Eines Tages lief er weg, um sein Leben in die Hand zu nehmen. Er wurde auf einem Schiff angeheuert. Nach ein paar Wochen auf dem Schiff erlebte Robinson ein Unwetter mit. Als das Unwetter vorbei war, strandete Robinson als einziger menschlicher Überlebender auf einer Insel. Nur der Schiffshund Daniel und vier Katzen aus dem Schiff hatten noch überlebt. Daniel war ein treuer Wachhund und Gefährte, bis er krank wurde und starb. Robinson Crusoe war nun ganz auf sich alleine gestellt. Jahre lebte er alleine, bis er eines Tages Kannibalen beobachtete, die ein Ritual durchführten. Einer von ihnen wurde verfolgt von den anderen. Robinson rettete ihn vor dem Tod und bald entstand, trotz den verschiedenen Sprachkenntnissen, eine Freundschaft. Später dann kamen Piraten auf die Insel. Robinson und Freitag, wie der Kannibale von Robinson genannt wurde, überwältigten sie und nahmen Ihr Schiff um nach England zufahren.”

Von Daniel Defoe

Anette Betz Verlag

Bibliothek der Kinderklassiker

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Daniel Defoe wurde 1660 als Sohn eines Fleischers in St. Gillen, London geboren.

Er starb am 26. April 1731 zu London im Alter von über siebzig Jahren.

 

Meine Meinung über dieses Buch:

Ich fand „Robinson Crusoe“ sehr spannend , weil das Buch wie ein Tagebuch geschrieben wurde.


 

Home Education: Verteidigung eines alternativen Bildungskonzepts und Lebensstils

 

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                                                                                                    Hanniel Strebel

Verheiratet, Vater von fünf Söhnen, Betriebsökonom FH und Theologe (MTh, USA). Arbeitet seit über 10 Jahren in der Erwachsenenbildung.

Der Schweizer Hanniel wird im März 2015 ein 2-tägiges Seminar in Linz für Homeschooler und Interessierte durchführen.

Nähere Details werde ich hier noch posten.

Auf seiner Webseite kann man sein sehr interessantes Buch über häuslichen Unterricht gratis downloaden !

http://hanniel.ch/wp-content/uploads/Home_Education_Strebel-Cover+Inhalt.pdf

Ein Auszug aus dem Buch :

“Wer sich mit Home Education auseinander setzt, dem geht es ähnlich wie dem Soziologen Markus Spiegler. Ihm wurde dessen fächerübergreifende Relevanz bewusst. „Die Vertiefung in Geschichte und Bandbreite der gegenwärtigen Home Education Bewegung führte dazu, dass der religionssoziologische Ausgangspunkt um viele bildungssoziologische Aspekte erweitert wurde und auch erziehungswissenschaftliche Fragestellungen zunehmend an Bedeutung gewannen.“ Aus dieser Einsicht leitet sich das Konzept für dieses Buch ab. Im ersten Teil werden die theologischen Grundlagen der Pädagogik skizziert, im zweiten Teil ein Überblick über die Bewegung aus soziologischer, psychologischer und pädagogischer Perspektive geschaffen, um im dritten Teil eine Verteidigung von Home Education zu formulieren. Anders als andere Schreiber geht der Autor die Thematik nicht mit der Distanz des Unbeteiligten an. Als Ehemann einer Pädagogin und Vater von fünf Söhnen setzt er Home Education in der eigenen Familie um. Daraus ergibt sich seine doppelte Zielsetzung: • Die Arbeit soll auf eine fundierte Art und Weise sowohl Eltern wie auch Pädagogen insbesondere in der Schweiz informieren. • Sie soll Mut machen, in einer Zeit der Individualisierung – man denke nur an die vieldiskutierten Themen Hoch- und Minderbegabte – über alternative Ansätze in Bildung und Erziehung nachzudenken “


 

 

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