Charlotte Mason: Eine Bildungsphilosophie von gestern für morgen (1)

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Für eilige Leser: Charlotte Mason lebte von 1842-1923 und entwickelte durch ihre lebenslange Tätigkeit als Lehrerin, Leiterin einer Lehrerausbildungsstätte und Autorin in Jahrzehnten grossen Umbruchs einen dritten Weg neben herkömmlicher Ausbildung (starke Betonung der Weitergabe von fixierten Inhalten) und neuen Ideen der Reformpädagogik (starke Orientierung an der kindlichen Aktivität).

Hinweis: Dieser kurze Artikel ist Auftakt zu einer Serie über Charlotte Mason. Ich schildere darin meine eigenen Erfahrungen in den letzten acht Jahren, seitdem ich Ideen im Unterricht mit meinen Kindern selbst umsetze. Diese Serie lebt auch von euren Fragen, die ihr mir stellt. Gerne gehe ich darauf ein. Bitte stellt sie unten im Kommentarfeld ein!

Ich kann mich gut an den Moment erinnern, als mir dämmerte, dass „Montessori“ eher ein Label mit einer Vielzahl methodischer Anregungen und einer kleineren Anzahl gemeinsamer Prinzipien umfasst, als dass es sich um das Lebenswerk von Maria Montessori handelt. (Die Ideen von Montessori selbst sind überdies ziemlich nebulös.) Das heisst, es haben nach Montessori zahlreiche Menschen, orientiert an gewissen Leitideen, das Label geprägt, verändert und weiter entwickelt.

In gewisser Weise verhält es sich bei Charlotte Mason (1842-1923) ähnlich. Der grösste Unterschied ist wohl der, dass Mason selbst im Schulzimmer stand und ausserdem lebenslang in der Lehrerbildung tätig war. Susan Schaeffer Macauley, Tochter von Francis und Edith Schaeffer, hat in den 80-er und 90-er Jahren mit der Neuauflage von Masons Schriften sowie dem Buch „For Children’s Sake“ stark zur Wiederentdeckung Masons beigetragen.

Heute hat sich Mason als Erziehungsphilosophie im Bereich christlicher Privatschulen und in der Homeschool-Bewegung der USA einen festen Platz gesichert. Markus Spiegler unterscheidet in seiner Dissertation „Home Education in Deutschland“ (2008) zwischen drei Grundprägungen häuslichen Unterrichts (S. 78-85):

  1. Homeschooling – „Schule zu Hause“: Die Methoden der Schule werden auf den Unterricht zu Hause übertragen.
  2. Unschooling – „natürliches Lernen“: Das selbstaktive Lernen wird stark betont, es besteht keine oder kaum strukturelle Anleitung.
  3. Home Education – „Bildung zu Hause“: Kombination von grosser methodischer Flexibilität und einer intensiven Begleitung der Eltern.

Wer sich für den dritten Ansatz entscheidet (ich zähle mich selbst dazu), findet bei Mason eine Fülle faszinierender Anregungen.

Vertiefung: In meinem Buch Home Education habe ich auf S. 69-87 Mason und ihre Bildungsphilosophie kurz vorgestellt und bewertet. Das Buch kann hier frei heruntergeladen werden.

 

Hanniel (38) und Anne Catherine (35) unterrichten ihre Kinder, fünf Söhne im Altern von 10, 8, 6, 4 und 2 Jahren, seit 2008. Anne Catherine ist Grundschullehrerin, Hanniel arbeitet Teilzeit als Personalentwickler in einer privaten Spitalgruppe.

Hanniel bloggt auf  http://hanniel.ch/  und ist Verfasser des Buches „Home Education“ (VKW: Bonn 2011).


 

 

 

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One comment on “Charlotte Mason: Eine Bildungsphilosophie von gestern für morgen (1)

  1. […] umso begeisterter wurde ich von diesem ganzheitlichen Lernen. Hanniel begann eine Serie als Gastblogger auf meinem Blog zu schreiben. Langsam wagte ich den Unterricht ganz auf die […]

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