Keine Gnade für “echte” Homeschoolers ?

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Offener Brief an Herrn Bundesminister Univ.-Prof. Dr. Heinz Faßmann

Sehr geehrter Herr Bundesminister Univ.-Prof. Dr. Heinz Faßmann,

das zuletzt in vielen Medien so genannte „Homeschooling“ ist in den letzten Wochen und Monaten in aller Munde. Man meint damit, dass mehr als eine Million österreichischer SchülerInnen nicht mehr in ein Schulgebäude gehen, sondern von LehrerInnen mit gedrucktem oder digital verfügbarem Lehrmaterial aus der Ferne versorgt werden, die sie dann zu Hause durcharbeiten. Man  bezeichnet es daher auch treffender als „Telelearning“. Alle Beteiligten stimmen darin ein, dass dies eine besondere Herausforderung für LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern bedeutet. Von Letzteren erwartet man nach Möglichkeit eine tatkräftige Unterstützung vor allem der jüngeren SchülerInnen in Volksschule und Unterstufe.

Diese große Beachtung und Wertschätzung des „Homeschoolings“ freut uns vom Verein ‚Homeschoolers.at – Bildung zu Hause Österreich‘.

Jedoch wird darüber ganz vergessen, dass es eine Minderheit von Familien gibt, die sich schon immer für diese Form der Bildung entschieden haben, die im österreichischen Amtsdeutsch als ‚häuslicher Unterricht‘ bekannt ist.  Etwa 2200 Kinder sind es jährlich in Österreich, die von den Eltern zu Hause unterrichtet werden und sich im Laufe des Schuljahres einer Externistenprüfung  an einer öffentlichen Schule unterziehen müssen, um den Lernfortschritt am Schuljahresende mit einem Externistenprüfungszeugnis zu dokumentieren.

Ich schreibe Ihnen heute als Obmann des Vereins und als aktiver Homeschooling-Vater von vier Kindern. Meine Frau und ich haben unsere vier Kinder zu Hause unterrichtet, 3 Kinder sind mittlerweile am Gymnasium Hollabrunn, unser jüngstes Kind (13 Jahre alt) wird noch zu Hause unterrichtet.

Wie Sie wissen, begann die Corona-Krise zu Beginn des zweiten Semesters 2019/20. Dies ist üblicherweise die Zeit, in der die meisten SchülerInnen im häuslichen Unterricht mit den Externistenprüfungen beginnen. Diese wurden in unserem Fall schon vor Beginn der Schulschließungen (am 29.02.) sofort alle abgesagt. Diese Absagen waren für uns nicht nachvollziehbar, da bei einer Exernistenprüfung nur ein Prüfer oder eine Prüferin und ein Schüler oder Schülerin zusammen kommen und ein Abstand leicht einzuhalten ist. Auch für Kinder von Eltern in „systemrelevanten“ Berufen bestand ja auch immer während der Krise die Möglichkeit, weiter in der Schule unterrichtet zu werden. Dies wurde von etwa 6.600 Kindern österreichweit wahrgenommen.

Ab 20.04. wurden von Ihnen als zuständigem Bundesminister der Plan für die Öffnung der Schulen vorgelegt. Für die SchülerInnen im häuslichen Unterricht gibt es laut unserer Prüfungsschule in NÖ keine Regelung. Daher hängen wir „echten Homeschooler“ völlig in der Luft.

Insgesamt dürfen die SchülerInnen an den Regelschulen mit ministeriell gebilligten oder verordneten Erleichterungen rechnen. Zum Beispiel finden bis Schuljahresende keine Schularbeiten mehr statt, sondern die Noten werden auf der Basis der  im ersten Semester und in der Telelearning-Zeit erbrachten Leistungen ermittelt. Für BerufsschülerInnen gibt es Sonderregelungen für das Aufsteigen und Erleichterungen für Wiederholungs- bzw. Nachtragsprüfungen.

Auch für Kinder im häuslichen Unterricht führte die Coronakrise zu einer Verschlechterung der Lernbedingungen. Im Fall meiner eigenen Familie müssen sich 3 Kinder im Distance Learning, die von LehrerInnen mit sehr vielen Arbeitsaufträgen eingedeckt werden und ein Kind im häuslichen Unterricht den Platz und die vorhandenen, auch digitalen Ressourcen teilen. Alle Kinder brauchen Unterstützung durch die Eltern. In diesem Fall arbeitet meine Frau ‚systemrelevant‘ als Hebamme, ich als Wissenschaftler im Homeoffice. Dies sind mehr als suboptimale Lern- und Arbeitsbedingungen.

Von anderen Familien im häuslichen Unterricht habe ich gehört, dass sie bereits von ihren Prüfungsschulen Prüfungstermine für alle Fächer erhalten haben, die sehr gebündelt am Ende des Schuljahres stattfinden sollen. Dies ist eine starke Erschwerung der Prüfung. Eine solche Externistenprüfung bedeutet z.B. für ein sechs- bis fünfzehnjähriges Kind, dass es den kompletten Lehrstoff eines Schuljahres für alle Fächer zu einem Zeitpunkt X parat und in einer extremen Stresssituation (Prüfung durch eine fremde Person an einem fremden Ort ohne Wiederholungsmöglichkeit) abrufbar haben muss.

In unseren Augen stellt dies keine Erleichterung und Entgegenkommen, wie sie an öffentlichen Schulen angedacht ist, sondern eine starke Erschwerung der normalen Prüfungsbedingungen dar. Es liegt nahe, dass auch die durch Telelearning beschulten SchülerInnen der Regelschulen einer solchen Prüfung nicht gewachsen wären.

Wir fordern daher Sie als Bildungsminister auf, allen Bildungsdirektionen konkrete Vorgaben für die Abhaltung von Externistenprüfungen zu geben, damit die Zeit der Unsicherheit und des Hinhaltens beendet wird. Wir fordern weiterhin, dass sich die erschwerten Lernbedingungen in den Familien und Prüfungsbedingungen durch ausgefallene Prüfungstermine auch in der Durchführung der Externistenprüfung und der Beurteilung der SchülerInnen im häuslichen Unterricht widerspiegeln.

Wir „echten Homeschooler“ (Familien im häuslichen Unterricht) sind zwar nur eine Minderheit, leisten aber genauso unseren Beitrag zum Bildungssystem und zur Gesellschaft in Österreich wie andere Familien auch. Im Allgemeinen sind Minderheiten in unserer Demokratie besonders geschützt – von der Minderheit der „Homeschooler“ kann man dies in der Regel nicht behaupten.

mit freundlichen Grüßen

Dr. Auke Boersma
Obmann Homeschoolers.at – Bildung zu Hause Österreich

Unterschreibe die Petition

 

Löwenzahn

Löwenzahn

Die Wiesen sind voll davon. Gemeint ist der gelb blühende Löwenzahn aus der Familie der Korbblütler.

Diese Blume ist eine der ersten wichtigen Bienenweiden und in Notzeiten mussten die getrockneten und gerösteten Wurzeln schon mal als Kaffeersatz herhalten.Mit den gelben Blüten lässt sich ein schmackhafter Honig herstellen.

Beliebt sind sie bei Kindern als “Pusteblume” und bei Selbstversorger als Wildsalat

Wie wäre es mit einem Familienspaziergang mit Schwerpunkt Löwenzahn sammeln?

Man könnte natürlich die Samen auch selber auf der Fensterbank aussäen und die Kinder die verschiedenen Wachstumsstationen beobachten lassen und in einem Naturbuch dokumentieren lassen.

Von Alexandra bekam ich folgende tolle Bastelidee:

Man sammelt noch geschlossene frisch verblühte Löwenzahnblüten, lässt sie kopfüber trocknen.Sobald sich die Pusteblumen-Kugeln geöffnet haben, kann man sie zu Mobiles oder Girlanden auffädeln und ans Fenster hängen und mit Haarspray zuvor fixieren.

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Löwenzahn- Ideenpool

Basteln

Blumige Serviettenringe
Die frischen Löwenzahnblüten auf einen Draht zur Girlande fädeln und zu kleinen Kränzen formen. Dann die Serviette rollen und durch den Ring schieben. Den Löwenzahn-Kranz in eine Wasserschale legen, denn dann hat man noch eine Weile Freude an den Blüten.(https://www.kinder-erlebnis-kochen.de/content/fruehling-erleben/loewenzahn/)

Löwenzahnketten 

Löwenzahnbilder

und noch viele andere Ideen ( auf Englisch)

Löwenzahndruck

Mithilfe dieser Drucktechnik können auch schon die Kleinen stimmungsvolle Kunstwerke kreieren.

THEMENWOCHE: VOM LÖWENZAHN ZUR PUSTEBLUME (INKL. DOWNLOAD)

 

 

Viel Spaß

Susi

 

 

 

 

 

 

 

Kategorie: Praktisches

Naturspaziergang

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Auf handbookofnaturestudy.com fand ich eine geniale Idee, wie die Zeit im Wald oder beim Spaziergang interessanter gestaltet werden kann. Dabei lernen die Kinder die Natur aufmerksam zu beobachten und ihre Entdeckungen in einem Naturbuch festzuhalten.

Anhand dieser Checkliste( Spaziergang in der Natur) werden verschiedene Sachen gesucht.

Außerdem sollen die Kinder

a) 1 Wort finden für etwas, was sie hörten (rascheln)

b) 2 Wörter für etwas finden, was sie sahen ( ein gekrümmter Ast)

c) 3 Wörter für etwas, was sie fühlten ( kühler glatter Stein)

Viel Spaß!

Susi

Stroh im Kopf ?

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Seit dieser Woche gibt es eine neue Bloggerin in der Homeschool-Szene. Ihr Name ist Heidi Collon und sie bezeichnet sich selbst als Homeschool – Zwitterwesen: Halb Corona- und Halb- Everyday Homeschoolerin. Sie lebt in zwei Welten, der des regulären Schulsystems und der des echten Homeschoolens. Seit drei Jahren unterrichtet sie zu Hause. Seit Herbst geht einer ihrer Söhne wieder in die Regelschule.

Ihr Blog heißt  www.stroh-im-kopf.at. Als ich sie fragte, wen sie damit meine, sagte sie mir: „Weißt du, viele Kinder bekommen in der Schule mit, dass sie ungenügend sind. Sie folgern daraus, dass sie Stroh im Kopf hätten. Ich habe mit meinen Kindern gemeinsam ihre vielen Qualitäten entdecken dürfen. Seitdem ich sie daheim unterrichte, merken sie wieder, was für kluge Menschen sie sind. Trotz Lernschwäche, Legasthenie, Dyskalkulie oder auch ADHS oder gerade deshalb, haben solche Kinder wertvolle Fähigkeiten, die sie in unsere Gesellschaft einbringen können, wenn sie in dem Wissen aufwachsen wertvolle Menschen zu sein.“

Für die, die gerade infolge von Corona mit dem Homeschoolen beginnen, hält sie ein paar Tipps parat. Als erstes mal tief durchatmen und entspannen. Homeschooling ist anders als Regelschule . https://www.stroh-im-kopf.at/erste-hilfe-fuer-homeschool-anfaenger/

Sie sieht aber auch, dass die Corona-Homeschooler nochmal ganz anders gefordert sind und erklärt den Unterschied zwischen selbst gewähltem und sich zwangsläufig ergebenden Homeschooling.

https://www.stroh-im-kopf.at/everyday-corona-homeschooling-der-elementare-unterschied/

Und last but not least bleibt sie selbstkritisch und schreibt über ihre eigenen Herausforderungen: Ist eigentlich immer und überall die beste Devise. Heute früh musste ich mich selbst daran erinnern, denn es ging drunter und drüber. Wer mehr dazu lesen möchte, wie es Heidi schaffte doch noch irgendwie den Schultag zu mangen, dem empfehle ich folgenden Link: Keep cool – Stroh im Kopf

Mit allen Sinnen lernen

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Im Babybuch meiner Tochter befinden sich zwei tolle Fotos. In dem einen versucht sie ein Schokoladeeis zu essen. Ihr Hemdchen ist angeschmiert, Schokolade tropft von ihren Händen – und wie die Schokolade in ihre Sandalen geraten ist, werde ich wohl nie erfahren.

Im anderen Foto steht sie im Garten. Ihr Gesicht ist wieder ganz braun verschmiert. Man möchte meinen, dass sie wieder Schokolade im Gesicht hatte. Das stimmt aber nicht. Dieses Mal hat sie etwas Erde gekostet.

Erde, Schokolade: Beides muss von den Kleinen erforscht werden. Es macht ihnen nichts aus, dabei alle ihre Sinne zu verwenden. Meine Tochter isst jetzt keine Erde mehr, weil sie herausgefunden hat, dass Erde nicht gut schmeckt.

Babys und Kleinkinder verwenden alle ihre Sinne, um ihre Umgebung zu erforschen. Das ist ihre Hauptaufgabe. Deshalb riet Charlotte Mason, den kleinen Kindern viele Möglichkeiten zum Erforschen mit allen Sinne zu geben. Wir sollen unsere Kinder geradezu dazu anregen.

Es folgen ein paar von Charlotte Masons Ideen, wie wir unsere Kleinen dazu ermutigen können mithilfe ihrer Sinne zu lernen.

1. Nicht geplante Lektionen: ein Objekt auf mindestens zwei Eigenschaften untersuchen

Es ist am besten, diese Lektionen nicht zu planen, sondern sich einfach mit den Dingen auseinanderzusetzen, wenn man mit ihnen in Kontakt kommt. Das Kind findet das Nest einer Wespe, das auf einem Zweig hängt und bekommt gleich Anschauungsunterricht von den Eltern. Die graue Farbe, die runde symmetrische Figur, die papierähnliche Substanz, die Größe im Vergleich zu anderen  Dingen, die Glattheit des Nestes  mit anderen Dingen vergleichen, den Geruch oder die Abwesenheit eines Geruches, das Gewicht, die Temperatur – diese und 50 weitere Eigenschaften kann ein Kind ohne große Hilfe von den Eltern erforschen. Man findet nicht alle Tage ein Wespennest, aber auch von häufig zu findenden Objekten kann man viel lernen, wie z. B. ein Stück Brot, ein Stück Kohle oder einem Schwamm (Ausschnitt aus 2. Band, Seiten 182 und 183).

2.Verwende alltägliche Gegenstände, um dem Kind den Unterschied von schwer und leicht beizubringen

Als meine Kinder noch klein waren, haben wir oft ein kleines Spiel im Obst- und Gemüseabteil unseres Geschäfts gespielt. Ich habe eine Plastiktasche mit Obst oder Gemüse angefüllt, und dann haben wir geraten, wie schwer die Tasche wohl ist. Dann haben wir die Tasche auf die Waage gelegt, um herauszufinden, wer am besten geraten hatte. “Briefe, Bücher, Äpfel, Orangen, Fruchtfleisch und viele andere Dinge geben uns im Laufe des Tages die Gelegenheit für solche Lektionen.” (2. Band, Seite 184)

3.Verwende alltägliche Gegenstände, um auf Größenunterschiede hinzuweisen

“Genauso soll Kindern beigebracht werden, die Größe eines Objektes abzuschätzen. Wie lange ist die Kerze? Wie lang und breit ist der Bilderrahmen? usw. Und dann mit dem Lineal nachmessen, ob sie gut geschätzt haben. (2. Band, Seite 185)

4.Verwende alltägliche Situationen , um dem Kind das genaue Zuhören beizubringen

Fang mit einfachen Übungen an, z. B. “Beschreibe alles, was du hörst” (Das ist übrigens ein großartiges Spiel für Warteräume oder Restaurants.). Langsam kann man dann vom losen Beschreiben eines Geräusches zum genauen Beschreiben übergehen z. B. die Laute eines Vogels als Ruf- oder Singlaute beschreiben; fünf unterschiedliche Laute eines Baches beschreiben. Schritte oder Stimmen beschreiben, indem man mit geschlossenen Augen bestimmt, woher die Schritte kommen.” (2. Band, Seite 185)

Man kann ähnliche Spiele erfinden, um die anderen Sinne (Fühlen, Riechen und Schmecken) zu kultivieren. Diese Lektionen sollen nicht formal oder geplant sein. Verwende einfach die natürliche Umgebung deiner Familie.

5. Mache viele Fotos

Mit freundlicher Genehmigung von simplycharlottemason.com