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20 Jahre Hausunterricht in Österreich

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Es ist schon ziemlich lange her, dass unser Homeschooling- Abenteuer, oder wie es im österreichischen Amtsdeutsch heißt: „Abmeldung zum häuslichen Unterricht“, begonnen hat. Inzwischen sind 21 Jahre vergangen und alle meine 5 Kinder haben inzwischen „zuhause“ die Matura gemacht. Und anschließend an der Universität Wien oder an der PH Wien studiert, Bibelschule in den USA oder Australien besucht und sich auch sonst sehr erfolgreich im Leben etabliert.

 

 

Begonnen hat alles, wie mein ältester Sohn 5 Jahre alt wurde. Die Wahl der Schule stand in einem Jahr bevor und ich fing an mich intensiv mit der Frage „Was ist die richtige Schule für mein Kind?“ auseinanderzusetzen. Das öffentliche Schulsystem hat absolut seine Berechtigung, aber für unsere Familie hat es einfach nicht gepasst. Nicht vom Stil, vom Niveau, nicht von der Weltanschauung. Also eine Privatschule! Aber welche? Und zu welchem Preis? Bei 5 Kindern muss man sich das Schulgeld gut überlegen…

 

 

Und da tauchte plötzlich die Idee auf: „Probieren wir es doch einmal ein oder höchstens zwei Jahre mit Homeschooling! Ab der dritten Klasse können die Kids dann bequem in eine Schule gehen“, dachte ich mir. „Und das wird uns allen eine Menge Spaß machen!“

 

Gesagt, getan. Der Herr hat dabei natürlich mitgeholfen und schon alles vorbereitet gehabt. In unserer Gemeinde waren damals zwei junge Volksschullehrerinnen, die Freude hatten, jede Woche einmal 2 Stunden am Nachmittag den Stoff zu unterrichten. Die Kinder und ich mussten dann nur noch jeden Tag, Montag bis Freitag, von 9 bis 12 Uhr den Stoff durcharbeiten, festigen und üben. Dadurch war von vorneherein eine „Qualitätskontrolle“ da, die ich als extrem wichtig ansehe.

 

Es ist natürlich genauso gut, nach einem vorgegebenen Homeschool-Curriculum zu arbeiten. Wichtig ist, dass neben all dem Spaß bei der freien Zeiteinteilung, die konkrete Stoffvermittlung nicht zu kurz kommt. Meinen Schülern habe ich immer gesagt: „Gott hat uns ein Gehirn gegeben, damit wir es benutzen!“…und zwar in Weisheit.

 

 

Ich glaube, dass, wenn wir Kindern wirklich Spaß am Lernen vermittelt, ihnen soviel wie möglich Freiraum zum Fragen und Denken geben und sie so individuell wie nur irgend möglich fördern, dass dann ein größtmögliches Ausschöpfen des individuellen Potentials jedes einzelnen Kindes möglich ist. Das heißt, dass die Kids mal echt erfolgreich im Leben werden können, weil sie gelernt haben, sich selbst, Gott und die Welt in die richtige Relation zu setzen. „Denkt nicht höher von euch, als es angemessen ist, und seid besonnen!“ (Römer 12/3; NBH)

 

  • Gott hat den Menschen geschaffen, so wie ER selber ist. Wir sollten nie zu gering von uns denken!

  • Gott hat uns als seine KINDER geschaffen. Er ist der „Chef“, nicht wir!

  • Wir leben IN der Welt! Nicht außerhalb, als irgendwelche eigenartigen Aliens. Aber wir sind nicht VON dieser Welt. Durch die Kraft Gottes können wir all die Probleme und Stürme des Lebens meistern – weil Er uns hilft ( Joh 17/14-19).

 

 

„Das klingt, als ob Homeschooling der Himmel auf Erden ist!“ denkst du dir vielleicht jetzt. Nein, da muss ich dich enttäuschen. Den Himmel auf Erden gibt es nicht….außer in unseren Herzen. Homeschooling kann für dich und deine Familie einfach ideal passen, so wie das bei uns der Fall war. Trotzdem ist es mit enormer Disziplin und Anstrengung verbunden. Gerade in der Oberstufe des Gymnasiums müssen die Schüler oft mehr lernen, wie ihre Kollegen auf der öffentlichen Schule. Von der Volksschule an müssen die Kids lernen selbständig zu arbeiten. Manchmal ist auch die Benotung unfair, weil an dem einen Prüfungstag im Jahr etwas nicht passt und die Note einfach nicht der sonstigen Leistung während des Jahres entspricht. Und so weiter und so weiter….

 

 

„Ist Homeschooling wirklich so schlimm?“ ist jetzt vielleicht dein nächster Gedanke. Nein, Homeschooling macht einfach unglaublichen Spaß! Es bietet Annehmlichkeiten und Freiheiten von denen ein „normaler“ Schüler nur träumen kann. Abgesehen von Ferien während der normalen Schulzeit und echten Freundschaften, die die Schüler mit den Lehrern verbinden. Homeschooling ist einfach nicht vergleichbar mit einer Schule!

 

 

Aus den ursprünglich geplanten ein bis zwei Jahren wurden schließlich fast 20 Jahre. Enorm viele engagierte Lehrer, Eltern und Schüler haben bei diesem Lerngruppenprojekt über die Jahre mitgearbeitet. Ohne diese Hilfe hätte es nicht funktioniert und wir alle haben zusammen eine Menge erlebt. Gutes und Anstrengendes. Aber es gab immer eine Lösung, „…denn der Herr war mit uns!“.

 

 

Würde ich heute noch einmal so ein Abenteuer beginnen? JA! Auf alle Fälle (vorausgesetzt, der Herr zeigt es mir)! Aber ich wüsste inzwischen, wie ich eine Menge Dinge besser machen könnte. Gleichzeitig ist auch die Toleranz in der Gesellschaft alternativen Lernformen gegenüber gestiegen, weil man immer mehr erkennt, dass das heutige Schulsystem oft am Kind vorbei erzieht. Schule und Lernen müssen aber das Kind im Zentrum haben um einen echten Sinn zu ergeben. Und dass meint auch unser Vater im Himmel. Er hat mir vor 21 Jahren den Vers gezeigt: „Und alle deine Kinder werden vom Herrn gelehrt und ihr Friede wird groß sein!“ (Jesaja 54/13), dass ist eine Verheißung die für jedes seiner Kinder gilt. Er ist ein wunderbarer Gott!

 

Conny Klammer

connyklammer@gmail.com

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