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Acht gute Gründe, die Natur zu erforschen und zu studieren

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Hättest du mich gefragt, als meine Kinder klein waren: „Warum sollten die Kinder die Natur erforschen und studieren?“ hätte ich geantwortet: „Damit ich sie aus dem Haus hinauskriege und sie sich draußen austoben können und wir uns auch wünschen tun zu können“.

Hättest du mir die gleiche Frage gestellt, als die Kinder schon etwas älter waren, hätte ich geantwortet: „Damit sie ihre Beobachtungsfähigkeiten erweitern… und die frische Luft schadet ihnen bestimmt auch nicht.“

Nach einem weiteren Jahr oder auch zwei hätte meine Antwort so gelautet: „Damit sie eine Liebe zu ihrem Schöpfer entwickeln.“

All das sind tolle Gründe, die Natur zu erforschen und zu studieren. Charlotte Mason nennt noch andere Gründe.

Wenn du vertraut bist mit der Charlotte Mason Methode (Charlotte’s methods), dann weißt du bestimmt, dass sie uns dazu ermutigt, Zeit im Freien zu verbringen und dass sich Kinder aller Altersstufen mindestens einen halben Tag pro Woche die Natur genau anschauen sollten.

Die meisten von uns nehmen die Zeit im Freien dann oft nicht genügend ernst. Vielleicht auch deshalb, weil wir den Wert nicht erkennen. Man denkt dabei vielleicht an die heiß ersehnte Pause für sich selbst, aber das Studieren der Natur ist so viel mehr als das!

Wir werden uns in den nächsten Wochen mit dem Studium der Natur beschäftigen und sehen, welchen großen Stellenwert dieses in der CM Ausbildung hat. Fangen wir damit an und schauen uns 8 Möglichkeiten an, die unseren Kindern helfen, heranzuwachsen (helps our children to grow). Mit anderen Worten gesagt: 8 zwingende Gründe, warum man sich für das Studium der Natur Zeit nehmen sollte.

Grund Nr. 1: Das Studium der Natur bildet die Grundlage für das offizielle Studium der Naturwissenschaft.

Deine Kinder werden sich viel leichter mit der offiziellen Naturwissenschaft tun, wenn sie bereits einen persönlichen Bezug zu einer Pflanze, einem Tier, dem Wetter, etc. hergestellt haben. Wenn sie den Hintergrund des Naturstudiums bereits persönlich erlebt haben, dann dienen die Bücher dazu, nur noch mehr zu entdecken, zusätzlich zu dem, mit dem sie sowieso schon vertraut sind.

Wir als Eltern spielen eine entscheidende Rolle, den Kindern einen Eifer für das lebenslange Lernen (lifelong eagerness to keep learning) mitzugeben und in ihnen ein Interesse für die von Gott geschaffene Natur um uns herum zu wecken und sie mit großer Freude zu beobachten.

Charlotte erklärte das so:

Das Kind, das sieht, wie seine Mutter erstaunt eine Schneeflocke aufhebt und sie damit ihre Lippen berührt, lernt weit mehr als es ein gedrucktes Buch vermag. Jahre später, wenn die Kinder alt genug sind zu verstehen, dass die Naturwissenschaft etwas Sakrales ist, die einige Aufopferung erfordert, bildet jede „alltägliche Information“, die sie bis dato gesammelt haben sowie die Gewohnheit des Beobachtens, die sie bereits eingeübt haben, die fundamentale Grundlage für die naturwissenschaftliche Ausbildung. Lass sie in der Zwischenzeit die Lilien auf dem Feld und das Federvieh des Himmels betrachten“ (Home Education, S. 63).

Es gibt einen großen Nutzen dieser Übung. Charlotte glaubte sogar, dass diese Übung besonders für Kleinkinder große Bedeutung hat: „Es gibt nichts Wichtigeres als durch das eigene Beobachten mit dem guten Beispiel voranzugehen und somit eine Grundlage für das naturwissenschaftliche Arbeiten in der Zukunft zu schaffen“ (Home Education, S. 264).

Und dieser Vorgang passiert durch die Natur selbst.

Grund Nr. 2: Die Naturwissenschaft wird interessant, wenn wir die Natur studieren.

Charlotte bedauerte, dass uns der Großteil des naturwissenschaftlichen Unterrichts unberührt lässt (A Philosophy of Education, S. 318). Vielleicht erging es mir wie dir. Die Unterrichtsbücher waren voll mit Fakten, Diagrammen und Leckerbissen an Informationen über Dinge, die mir völlig egal waren. Ich hatte keinen Bezug zu diesen Sachen, obwohl sie überall um mich herum gegenwärtig waren. Ich wurde nie dazu ermutigt oder gelehrt, die Natur für mich selbst zu entdecken und zu erforschen.

Ein Kind jedoch, das dazu ermutigt wurde, die Natur zu studieren, hat einen Vorteil.

„Indem das Kind durch das Beobachten der Natur bereits ein fundamentales und exaktes Wissen hat, wie es in der Natur zugeht, ist die Naturwissenschaft viel mehr als ein Textbuch, weil das natürliche Interesse bereits in ihm verankert ist“ (School Education, S. 78).

Das Kind beginnt nicht nur, eine Struktur auf einem festen Fundament aufzubauen, sondern verspürt ein natürliches Verlangen, das sein Studium immer interessant hält.

Wenn du ein Kind hast, das sich nicht für Naturwissenschaft interessiert, kann das Studium der Natur helfen, die Neugier wieder neu zu entfachen.

Grund Nr. 3: Das Studium der Natur hilft deinem Kind, das Unbekannte besser zu verstehen.

Hast du schon einmal etwas von einem Tapir gehört? Er sieht aus wie eine Mischung zwischen einem Schwein, einem Esel und einem Rhinozeros.

Oder einem Tenrek? Ein Tenrek sieht aus wie eine Mischung von Spitzmaus, Beutelratte und Otter.

Merkst du, immer wenn du etwas Neues lernst, vergleichst du es mit etwas, was du schon kennst oder weißt. Die Bilder und das Verhalten von Sachen, die wir schon kennen, helfen uns, ein neues Konzept zu verstehen.

Charlotte Mason wusste, dass sich das Kind durch das regelmäßige Beobachten der Natur einen wichtigen geistigen Vorratsspeicher für Bilder und Erfahrung zulegt. So ein Vorratsspeicher wird das Sprungbrett für das Kind sein, etwas Neues zu lernen, das es vorher noch nie gesehen hat.

„Nach und nach wird das Kind etwas begreifen müssen, dass es noch nie gesehen hat? Wie gelingt ihm das? Indem es die Sachen vergleicht mit Dingen, die es schon gesehen hat und weiß. (Home Education, S. 66).

Übrigens: Nur ein Bild anzuschauen oder einen Film über etwas zu sehen ist nicht dasselbe wie wenn man selbst etwas beobachtet. Mir gefällt das Beispiel von Susan Schaeffer Macaulay in ihrem ausgezeichneten Buch: Um des Kindes willen (For the Children’s Sake):

„Das Fernsehen vermittelt Kindern und Erwachsenen einen falschen Eindruck, weil sie glauben, sie haben wirklich etwas gesehen, das sie aber nur auf dem Gerät gesehen haben. Nehmen wir den Ozean als Beispiel. Ein Kind mag vielleicht ein Programm über Gezeiten und Wellen anschauen. Aber sein wahres naturwissenschaftliches Interesse und Verständnis wird sicher nicht dasselbe sein wie das eines Kindes, das schon einmal ein paar Wochen auf dem Strand verbracht und dort Dinge erforscht hat“ (For the Children’s Sake, S. 135).

Natürlich ist es nicht immer einfach, ins Freie zu gehen bzw. ist es nicht möglich, in alle Welt zu reisen, um unseren Kindern Informationen über Gottes Schöpfung aus erster Hand zu liefern; aber immer wenn es möglich ist, ist die persönliche Begegnung mit der Natur noch immer die beste.

Grund Nr. 4: Das Studium der Natur fördert die Liebe zum Erforschen.

Kinder lieben es herauszufinden, wie etwas innen aussieht und wie etwas funktioniert. In dem Moment, wo sie anfangen mobil zu werden, erforschen sie alles gründlich, was sie interessiert.

Charlotte ermutigte Mütter dazu, ihren Kindern die Liebe zum Erforschen einzuflößen (Home Education, S. 71).

Erforschen spielt eine wichtige Rolle im wissenschaftlichen Denken und das Naturstudium ist eine wunderbare Möglichkeit die Liebe für das Suchen von Antworten zu ermutigen. Im Naturstudium können die Kinder ihre eigenen Fragen stellen zu dem was sie sehen und ihre eigenen Antworten finden. Der Elternteil kann zwar sofort die richtige Antwort parat, aber es wäre besser, das Kind erst einmal in die richtige Richtung zu führen und es herauszufordern, selbst die richtige Antwort zu finden und das Kind dabei geduldig zu beobachten.

Wenn du ein Kind hast, das die Küchengeräte auseinandernimmt und herausfinden möchte, wie alles funktioniert, ermutige es auch, den Forschergeist auch in der Natur auszuleben. Hilf dem Kind zu verstehen, dass wir die gleichen Fragen, die wir uns in Bezug auf Maschinen stellen, auch in der Natur stellen können. Wie baut der Vogel sein Nest? Wie füttert das Tier seine Babys? Warum wächst eine Pflanze in Richtung Fenster? Ganz egal, ob das Kind ein leeres Nest beobachtet oder Spuren von Tieren untersucht bzw. wissen möchte, wo der Mond ist: sein natürlicher Instinkt, alles wissen und erforschen zu wollen, kann in der Natur zum befriedigenden Erlebnis werden.

Grund Nr. 5: Die Natur vermittelt unseren Kindern das Gefühl, die Erde zu besitzen und für sie verantwortlich zu sein.

Es ist schwer, sich für etwas einzusetzen, zu dem man keine Beziehung hat.

Wir können unseren Kindern erzählen, dass sie auf die Erde gut aufpassen müssen und für sie Sorge tragen. Aber erst dann, wenn sie selbst eine persönliche Verbindung zur Schöpfung Gottes haben wird dieses Gebot Bedeutung bekommen. Es werden nur leere Worte sein bis ihre Emotionen, ihr Interesse und ihre Persönlichkeit beteiligt sind.

Es ist der persönliche Aspekt, der uns in Beziehungen hilft, über kleine Schwierigkeiten hinwegzusehen. Wenn du einen Freund zum Mittagessen triffst und etwas warten musst weil er im Verkehr steckengeblieben ist, dann konzentrierst du dich nicht auf die Verspätung, sondern auf den Freund. Dir ist es wert ein paar Minuten auf deinen Freund zu warten, weil du dann eine gute Zeit mit ihm verbringen wirst, wenn er dann da ist.

In der Natur gibt es kleine Unannehmlichkeiten, mit denen wir es zu tun haben. Wir werden von Insekten gestochen, bekommen dreckige Schuhe und erleben unangenehme Temperaturen. Diejenigen, die keinen Bezug zu Gottes Schöpfung haben, werden sich auf diese Unannehmlichkeiten konzentrieren und kein weiteres Interesse für die Schöpfung entwickeln. Aber diejenigen, die zu einer bestimmten Pflanze oder einem Tier einen direkten Bezug haben, werden sich von den kleinen Unannehmlichkeiten nicht abbringen lassen. Sie werden sich mit Freude an ihre „Bekannten“ und die Begegnungen mit ihnen erinnern und in Erwartung für das nächste Mal sein.

Charlotte beschrieb die Pflichten und Freuden einer persönlichen Verantwortung folgendermaßen:

„In dieser Verantwortung stehen wir alle. Wir alle leben mit dem Erbe des Himmels und der Erde, den Blumen des Feldes und den Vögeln des Himmels. Es gibt Rechte, die niemand von uns nehmen kann. Aber erst dann, wenn wir uns mit den Dingen der Natur selbst bekanntmachen, werden wir nicht mehr irritiert oder deprimiert sein, sondern Freude empfinden“ (Ourselves, Buch 2, S. 97).

Eine persönliche Beziehung zur Natur fördert den Wunsch sich um Gottes Schöpfung zu kümmern und sich für sie einzusetzen.

Grund Nr. 6: Das Studium der Natur bereitet das Herz deines Kindes vor, Gott anzubeten.

Wir können unseren Kindern erzählen, dass „die Himmel von der Herrlichkeit Gottes erzählen“, bis wir schwarz werden, aber es wird nicht denselben Effekt haben wie wenn wir an einem klaren Sommerabend eine Decke auf der Wiese ausbreiten und die Kinder dazu ermutigen, das weite Sternenzelt selbst zu erkunden.

„Von der Blume in der rissigen Mauer bis zum herrlichen Firmament am Himmel erklären alle Dinge in der Natur ohne Unterlass ‚Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, Gott Allmächtiger’“ (Ourselves, Buch 2, S. 100).

Eine Offenbarung der Macht Gottes und seiner Herrlichkeit, die am meisten beeindruckt ist seine Schöpfung. Das Studium der Natur gibt uns die Möglichkeit, sein Werk aus der Nähe anzuschauen und eine Ehrfurcht für den Schöpfer zu entwickeln.

„In der Hauptaufgabe des Menschen, seiner Verantwortung Gott gegenüber, ist die Natur ein ausgezeichneter Lehrer“ (Ourselves, Buch 2, S. 99).

Grund Nr. 7: Das Naturstudium bereichert das Leben deines Kindes.

Wir wollen, dass unsere Kinder ein volles, interessantes und gesundes Leben führen. Eine Gewohnheit, Zeit in der Natur zu verbringen, kann enorm zu diesem Ziel beitragen.

Zeit in der Natur zu verbringen, ist ein gesundes Interesse. Es gibt eine Reihe an Hobbys und Interessen, die einen negativen Einfluss auf unsere Kinder ausüben können. Wir möchten, dass sie diese Fallen vermeiden. Wenn unsere Kinder keine Hobbys haben, ist es einfach, dass ein weniger günstiges diese Leere füllt. Das Studium der Natur kann diese Leere füllen und dem Kind ein erfüllendes, lebenslanges Interesse vermitteln. Und wenn wir mit dieser Gewohnheit schon im frühen Kindesalter starten werden sie sich an keine Zeit erinnern können wo sie kein Interesse an der Natur gehabt haben. Es wird ein erfüllender Teil ihres Lebens sein.

So wie Charlotte es gemeint hat: „Eine Liebe zur Natur die so früh schon zur Gewohnheit geworden ist wird dem Kind so vorkommen als ob es schon damit geboren wurde. Und es wird sein Leben bereichern mit einem echten Interesse und Bestreben nach Gesundheit und einem guten Sinn für Humor“ (Home Education, S. 71).

Erinnerst du dich noch an die anderen Vorteile die sie aufgezählt hat? Die Gewohnheit, im Freien Zeit zu verbringen ermöglicht dem Kind auch geistig erfrischt zu werden, es wird sich emotional regenerieren und körperlich gestärkt. Wie konnte Charlotte das wissen? Sie verbrachte selbst jeden Tag Zeit im Freien – sogar wenn sie selbst sehr beschäftigt war und es körperlich anstrengend war. Sie wusste aus eigener Hand, wie es das Leben eines Menschen bereichern konnte und wollte das auch ihren Schülerinnen und Schülern ermöglichen.

Grund Nr. 8: Das Studium der Natur bewirkt Wachstum von Intellekt und Charakter des Kindes.

Auch wenn deine Schüler keine wissenschaftliche Karriere einschlagen, wird das Studieren der Natur das Kind vorbereiten, das Ziel zu verfolgen, für das es sich entschieden hat. Ein genaues, persönliches Beobachten der Natur ermöglicht dem Kind regelmäßig die Gewohnheit der Aufmerksamkeit zu trainieren. Seine Fähigkeit, Dinge zu unterscheiden und nach Ähnlichkeiten zu suchen, wird auf allen Ebenen gefördert und gefestigt werden. Und es wird wichtige Lektionen lernen, Geduld üben und für das Warten belohnt werden, wenn es Dinge über einen längeren Zeitraum beobachtet und Veränderungen selbst feststellt. Alle diese Gewohnheiten sind wichtig, egal für welche Arbeit man sich später einmal entscheidet.

„Denk daran, welches unvergleichliche geistige Training das Kind für all das bekommt, was es unter der Sonne zu studieren gibt: die Kraft der Aufmerksamkeit, das Unterscheidungsvermögen, geduldiges Warten, Wachstum Schritt für Schritt, sodass alles für das Kind möglich ist.“ (Home Education, S. 61).

Ich mag diese Formulierung „wachsen mit dem Wachstum“. Schritt für Schritt, normalerweise tief drinnen, sodass es nach außen hin nicht sichtbar ist. Wachstum findet im Kind selbst statt. So wie das Kind als Person wächst, so wird auch sein Charakter durch diese entwickelten Gewohnheiten wachsen und geformt.

Das Studium der Natur sorgt für ausreichende Ermutigung für ein gesundes Wachstum.

Was motiviert dich?

In den Wochen, die vor uns liegen, schauen wir uns an, wie das praktisch funktioniert. Aber jetzt bist du dran. Was ist für dich die beste Motivation, dass du nach draußen gehst und dich mit der großen weiten Welt der Natur jede Woche beschäftigst? Vielleicht ist es einer der genannten Gründe, die wir hier erwähnt haben, oder aber etwas ganz anderes. Hinterlasse einen Kommentar und teile uns deine Gründe mit. Vielleicht weil irgendjemand sonst gerade das hören soll, was du zu sagen hast.

Mehr von Charlotte über ihre Gedanken zum Studium der Natur

Hours in the Out-of-Doors  ist eine ausgezeichnete Quelle für jeden der voll Vertrauen seine Schülerinnen und Schüler im Studium der Natur anleiten möchte. Dieses Handbuch erklärt alles über das Naturstudium in Charlottes eigenen Worten. Lass dich ermutigen und begeistern indem du das Studium der Natur zur liebgewonnenen Gewohnheit machst.

Charlotte Mason Bildung auf Deutsch übersetzt:

https://www.charlottemasonbildung.at/

 

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