Quality time versus quantity time

fam

Wenn man sich für Hausunterric ht entschließt, ergibt es sich zwangsläufig, dass ein Elternteil, meist die Mutter zu Hause bleibt. Unsere Gesellschaft ist jedoch völlig auf zwei „Verdiener“ ausgelegt. Daher fällt es schwer mit nur einem Einkommen auszukommen. Eine Generation vor uns war es noch absolut gängig, dass es nur einen berufstätigen Vater gab. Meine Eltern haben mit nur einem Einkommen ein Haus gebaut , für 4 Kinder gesorgt und ein recht gutes Leben geführt.

Wir standen vor der Entscheidung Eigentum oder Hausunterricht! Nun, wir haben uns für den unüblichen Weg entschieden. Unsere Kinder lernen zu Hause, ich verzichte auf meinen Beruf und wir leben in Miete. Diese Entscheidung haben wir nie bereut. Über die Jahre hat es sich immer wieder bewiesen, dass wir für uns den richtigen Lebensstil gefunden  haben.

Wenn ich mich in meinem Freundeskreis unterhalte, stelle ich fest, wie sehr unsere Entscheidungen unser komplettes Leben beeinflussen.

Die meisten in meinem Umfeld haben sich für den klassischen Weg entschieden. Das bedeutet morgendliche Hektik, Kinder in die Schule, Eltern in die Arbeit. Ist ein Kind krank wird es zum Problemfall, der einer Lösung bedarf. Wie muss sich ein Kinde fühlen, dass morgens mit Fieber aufwacht und damit seine Eltern in eine mittelschwere Krise bringt. Ich finde, ein krankes Kind braucht Ruhe und liebevollen Zuspruch und nicht hektische Organisation für eine Notbetreuung. Im besten Fall hat die Mutter noch ein paar Tage Pflegeurlaub, oder die Großeltern stehen zur Verfügung. Aber auch ohne Sonderfälle wird der Nachmittag zum Drahtseilakt. Die Kinder werden zwischen Nachmittagsbetreuung, Tagesmutter und Freizeitstress hin und her geschoben. Irgendwann finden sich dann alle in ihrem schwer erarbeiteten Eigenheim wieder. Das so erstrebenswerte Eigenheim , das all den Stress und die Entbehrungen der Familie rechtfertigen soll. Die Mutter sieht sich dann vor einem Berg von Hausarbeit, Hausübungen die kontrolliert werden müssen und einer Familie die bekocht werden will. Hut ab vor der Frau, die unter dieser Belastung noch liebevoll und aufmerksam sein kann. Die Interaktion zwischen Eltern und Kindern beschränkt sich meist auf ca. 2 Stunden vom Heimkommen bis zum Schlafen gehen. Wann ist Zeit für die wichtigen Gespräche und das aufmerksame Zuhören?  Dafür braucht man innere Ruhe und feine Antennen. Das lässt sich nicht mit sogenannter „Quality Time“ managen. Wie oft höre ich Sätze wie „ Ich verbringe zwar nicht viel Zeit mit meinen Kindern, aber dafür Quality time..“ . Meine Erfahrung sagt mir etwas ganz anderes.  Emotionale Nähe kann man nicht zwischen Nachmittagsbetreuung und Kinderballett  einplanen. Vertrauen braucht Zeit und Platz zum Wachsen.  Nicht alles lässt sich mit einem ausgeklügelten Plan und guter Organisation erreichen. Eine glückliche Familie, eine gute Ehe und sich gut entwickelnde Kinder brauchen mehr. Mehr Zeit, mehr Liebe , mehr Ruhe…

Wir haben uns bewusst dafür entschieden uns diese Zeit für unsere Familie zu nehmen.  Der Preis dafür war in unserem Fall ein eigenes Haus mit Doppelgarage und zwei teure Urlaube jährlich. Doch dieses „Opfer„  bringen wir gerne! Trotz genügend Zeit und Raum ist das Unternehmen Familie eine große Herausforderung, der wir uns täglich stellen.

 

Eine Homeschooling Mutter aus Oberösterreich

Category: Gastblogger | Tags:

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>