Warum ich den November mag

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Nun ist er wirklich da, der nebelige, kalte November. Bei vielen verhasst, das kalt-graue Nass. Wurden wir bis vor kurzem noch mit herrlichen Sonnentagen verwöhnt, die zum Werken im Garten einluden, müssen wir uns nun langsam an den Regen und das Grau gewöhnen. Doch nicht alles ist trist im November. Ich habe einige sehr bunte und lebensfrohe Seiten an diesem vorletzten Monat des Jahres entdeckt. Ja, ich habe ihn richtig liebgewonnen!

Das Leben verlagert sich nun deutlich von draußen nach drinnen und die Zeit im Freien beschränkt sich meist auf einen flotten Spaziergang. Da ich sehr gerne und bei jedem Wetter spazieren gehe und auch öfters die Kinder dazu mitnehme, erlebe ich auch zu dieser Jahreszeit immer wieder spannende Dinge. Wir finden jede Menge tolles Sachunterrichtsmaterial im Garten und im Wald! Sogar ein totes Eichhörnchen haben wir gefunden, was gleich Anlass gab zu einem Gespräch über den Tod und das Leben danach. Meine beiden Jüngsten sind fest davon überzeugt, dass wir das Eichhörnchen im Himmel wiedersehen werden!

Der November bildet den notwendigen Kontrast zum geschäftigen Altweibersommer davor und der stimmungsvollen, aber oft stressigen Adventszeit danach. Mir tut es gut, die feuchte, gereinigte Luft einzuatmen und Zeit zum Nachdenken zu finden.

Ich starte eine meiner Gartenrunden. Die goldenen Blätter sind bis auf einen kleinen Rest von den Bäumen gefegt. Einen großen Haufen davon haben wir für die Igel als Winterquartier vorbereitet. Unser kleines „Herbstprojekt“. Die Vögel haben den Weißdornbusch vor unserem Fenster ganz kahl gepickt. Wir haben sie von unserem „Ausguckfenster“ dabei beobachtet. Ein paar Handvoll Weißdornbeeren habe ich für uns „gerettet“. Einen Teil davon in Essig gelegt, einen Teil getrocknet. Die Äpfel sind, bis auf ein paar, die wir für die Vögel hängen lassen, abgeerntet. Auch davon haben wir einen Teil in Scheiben geschnitten, auf Metallsiebe aufgelegt und getrocknet. Wir lieben Dörrobst und Apfeltee! Am Nachmittag, wenn es bereits um halb fünf Uhr dunkel wird, kochen wir uns des öfteren eine Kanne Tee und genießen dazu gesunde Knabbereien. Manchmal gibt es auch Maroni. Ich liebe es, mit den Kindern diese herrliche Jahreszeit so bewusst zu genießen!

Gerne sitzen wir zusammengekuschelt auf der Couch, um Geschichten zu lesen. Das würde uns im Sommer um diese Zeit nicht im Traum einfallen!

Noch eine Freude hält der November bereit: Pilze! Solange es nicht wirklich kalt ist, sprießen sie überall aus dem Boden. Im Wald und sogar in unserem Garten haben wir Parasole und Champignons gefunden! Fliegenpilze natürlich auch, aber dass die giftig sind, weiß sogar schon unser Dreijähriger. Gebackene Pilze sind eines unser Familienlieblingsgerichte!

Ein weiterer kulinarischer Highlight dieser Jahreszeit: unser erstes Raclette der Saison. Die Vorfreude darauf beflügelt uns alle. Eifrig helfen wir zusammen, um ein buntes Raclette-Büffet vorzubereiten. Es gibt, ganz klassisch: Käse, Gemüse, Weißbrot, Essiggurken, Kartoffeln (sogar lilafarbene J), Knoblauchbutter und Saucen. Als besonderes Extra: Champignons aus dem Garten und Schweinefilet.

Es ist so einfach und doch so unglaublich lecker und die Kinder wollen gar nicht aufhören zu essen. Fröhlich reichen wir einander die bunten Zutaten, bis unser Kleinster verkündet: „Ich bin so satt, ich mag kein Blatt.“ Das Märchen „Tischlein, deck dich!“ mag er besonders gern. Nachdem der Abwasch erledigt ist (ein „Tischlein, räum’ dich ab!“ wäre manchmal sehr praktisch!), schnappe ich mir also das Märchenbuch und beginne die Geschichte vorzulesen. Zum etwa fünfundfünfzigsten Mal. Die Kinder können den Text zum Teil schon auswendig und ich muss lachen über ihre dramatische Darbietung. Einfach Zeit zu haben ist ganz eindeutig einer der Vorzüge dieses Monats. Ich kann es nur immer wieder neu feststellen: ich mag ihn, den November. Ohne ihn wäre mein Jahr bei weitem nicht komplett.

 

Maria Lang, geb. 1976, lebt mit ihrer Familie in Wieselburg, Niederösterreich.

Sie unterrichtet gemeinsam mit ihrem Mann seit 3 Jahren ihre 4 Kinder zu Hause und ist daneben als Autorin, Illustratorin und Referentin tätig. Ihre beiden Bücher „Einmal auftanken bitte! – 52 Atempausen für Mütter“ und „Kinder, Kirche, Kuchenkrümel – Mit Gott durch meinen Mama-Alltag“ sind im Neukirchener Verlag erschienen. Auf der Seite www.meinefamilie.at schreibt sie regelmäßig Blogs zu verschiedenen Themen .

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