Interview mit Alexandra von kindergartenfrei.org

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Bitte stell dich kurz vor

Mein Mann und ich leben seit 2 1/2 Jahren im Elsass. Wir haben unsere Heimat Berlin nach 30 Jahren verlassen um unsere Kinder selbst unterrichten zu können. Zu Beginn war es ein kleiner Kulturschock. Von Berlin aufs Land, wo Nachts die Esel schreien (Wölfen heulen hier Nachts nicht). Undenkbar für uns Großstadtmenschen. Dennoch ist es für uns die Beste Entscheidung gewesen. Es ist eine logische Konsequenz, des Kindergartenfreien Lebens, unsere Kinder nun auch selbst zu unterrichten und mit ihnen zu lernen. Kindergartenfrei war unser erster Schritt. Vor vier Jahren haben wir die Internetseite kindergartenfrei.org ins Leben gerufen. Immer mehr haben wir bemerkt, dass uns Vernetzungsmöglichkeiten fehlen. Während weit über 90% der Kinder in ihren Institutionen sind, war es uns ein Anliegen, dass auch unsere Kinder Freunde finden. Seitdem haben sich tausende Familien angeschlossen. Das macht uns sehr froh. Somit ist die Webseite zum ersten Ansprechpartner geworden, wenn es um  eine Kindergartenfreie Kindheit geht. Ein Leben ohne Kindergarten. Dies schien vor 30 Jahren nichts besonderes zu sein. Immer noch muss die ältere Generation schmunzeln, wenn ich ihnen von der Webseite berichte. Heute ist es jedoch eine Seltenheit.

Warum denkst du sind Eltern heutzutage so verunsichert, dass sie sich Erziehung ohne Fachleute nicht zutrauen?

Eltern sind vorallem verunsichert, weil Erziehung und Bildung nicht mehr der Familie zugestanden wird. Vielmehr wird schon seit einigen Jahrzehnten auch die Erziehung aus dem Elternhaus weg organisiert. So konnten viele junge Eltern in ihrer Kindheit nicht die Erfahrung machen, von der eigenen Mutter betreut zu werden. Noch dazu ist der gesellschaftliche Wandel auch ein Druckmittel. So wird doch den jungen Eltern heute bereits vor Geburt des Kindes immer wieder die Frage gestellt, ob sie denn den Kindergartenplatz schon haben.

Unter solchen Voraussetzungen brauchen wir uns doch nicht wundern, wenn Bildung und Erziehung immer mehr nach außen verlagert wird. Diejenigen, die dann kämpfen und ihre Kinder ohne eine Institution groß ziehen möchten, werden dann von allen Seiten kritisiert. Ein steter (Kritik-) Tropfen höhlt den Stein. Es bedarf tatsächlich ein dickes Fell und Mut heutzutage nicht im Kindergartenstrom mitzuschwimmen.

Was rätst du, wenn Eltern sich Sorgen wegen mangelnder Sozialkontakte machen?

Gerade im Kindergartenalter ist diese Sorge unbegründet. Der erste intensive Sozialkontakt, den Kinder haben ist der Kontakt zu ihrer primären Bindungsperson. Etwas später erweitert sich das auf die sekundäre Bindungsperson. Stück für Stück kommen mehr Kontakte hinzu, wie Geschwister und Freunde zu denen die Kinder eine Bindung aufbauen. Kinder durchlaufen ungefähr bis zu ihrem achten Lebensjahr sechs Bindungsstufen, während diesen sie ihre Hauptbindungspersonen ( im Regelfall die Eltern) am Meisten benötigen. Diese enge Bindung ermöglicht dann auch einen sicheren und kompetenten Umgang mit anderen Kindern. Wenn wir Kinder von klein an mit Gleichaltrigen sozialisieren, statt mit ihren Eltern haben wir ein Problem. Die Kinder orientieren sich an unreifen Kindern, statt an reifen Erwachsenen. Natürlich ist es wünschenswert, dass Kinder andere Kinder zum Spielen haben, aber es ist nicht in dem Ausmaß notwendig, wie es uns von Seiten der Pädagogik vermittelt wird. Ich rate Eltern, selbst aktiv zu werden. Denn auch für Mütter ist es schön sich regelmäßig mit anderen Müttern auszutauschen.

Früher war dies normal, heute wird es immer schwieriger. Über Gemeinden, Sportgruppen und Familiencafés können Kontakte geknüpft werden, sowie über unsere Webseite. Mittlerweile sind wir in vielen Regionen Österreichs vertreten und haben Regionalgruppen gegründet, um gemeinsam Waldausflüge zu unternehmen oder einfach nur gemeinsam im Garten zu sitzen und zu spielen. So schön Spielkontakte auch sind, bleibe ich dabei: Wir können Kinder nicht sozialisieren, in dem wir sie mit Gleichaltrigen isolieren.

Alexandra ist die Hauptreferentin am 6. Homeschoolerseminar  Oktober 2019

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Category: Allgemein, Gastblogger | Tags:

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