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Keine Angst vor Prüfungen ?

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Der Sommer ist fast vorüber; einige zählen schon die Tage bis zum Schulbeginn und erinnern sich noch an vergangene Prüfungen und die Angst davor, die inzwischen dank aller positiven Noten fast vergessen ist. Aber ein neues flaues Gefühl kommt auf, wenn man an die nächste Jahresprüfung denkt, und man wünschte, man müsste da nicht wieder durch.

Keine Angst vor Prüfungen? Ist das möglich?

Die Angst selbst lähmt den Verstand.

Angst entsteht aus der Unsicherheit heraus. Besonders die Externisten-Prüfungen für die Heimschüler verursacht Unsicherheit. Man weiß nicht, wer der Prüfer ist; es gibt keinen Bezug zur Person. Und selbst wenn wir die Person schon getroffen haben: Wir wissen nicht, wie sie am Prüfungstag gelaunt ist und wie sie gegenüber Heimschülern eingestellt ist.

Kurz und gut: Die Angst wird uns einreden, dass der Prüfer eine strenge und gemeine Person ist, der Heimschüler verachtet und alles tun wird, um die Prüfung zu erschweren.

Es gibt die Ungewissheit darüber was geprüft werden wird. Und es ist schlicht und einfach unmöglich, in den zwei Prüfungsstunden alles zu überprüfen, sondern nur einen Teil. Aber die Angst will uns etwas anderes einreden und lässt uns verzweifeln über das, was wir nicht so gut können. Die Angst wird so groß, dass wir uns selbst auf das, was wir wissen, nicht konzentrieren können.

Vor einer Prüfung sollte man entspannt und emotional gut drauf sein. Eine gesunde Spannung, die unseren Verstand schärft und uns aufmerksam sein lässt, die uns hilft und unseren Geist nicht dämpft.

Und wie kann man diese Furcht jetzt in etwas Positives, Entspanntes und Gesundes umwandeln?

Ich möchte einige Punkte weitergeben, die meines Erachtens wichtig sind, um diesen Zustand zu erreichen. Diese stammen aus meiner eigenen Erfahrung mit ca. 1000 Prüfungen (angefangen von Schultests bis hin zur Diplomprüfung vor einer Kommission).

In meinen Prüfungssituationen war ich mit allen Emotionen konfrontiert, angefangen von Furcht, Schrecken, physische Symptome (wie Erbrechen etc.) bis hin zu den positiven, die ich schon beschrieben habe. Bei meiner letzten Prüfung vor der Kommission reagierte ich emotional so stark, dass eine Krankenschwester mir ein Beruhigungsmittel geben musste, damit ich in das Prüfungszimmer gehen konnte.

Ich verstehe alle Ängste und Emotionen und möchte euch sagen, wie man sich am besten vorbereiten kann damit es keine schreckliche Angst sondern eine positive Emotion gibt. Fehlt die positive Emotion, dann sind wir nicht genug aufnahmefähig.

Wo fangen wir an?

Es gibt in unserem Leben drei Zyklen:

Wenn es um die Heimschülerprüfung geht, dann dreht sich alles um die Laune des Prüfers, den Schwierigkeitsgrad der Prüfung, etc. Das können wir weder beeinflussen noch kontrollieren.

Was wir beeinflussen können, ist unser Ergebnis unserer Interaktion mit dem Prüfer. Wir müssen den Prüfer kennen und wissen, was er von uns erwartet. Unsere Interaktion kann positiv sein, das Ergebnis kann trotzdem negativ ausfallen. Wir können es beeinflussen, aber nicht kontrollieren. Wir Eltern können die Interaktion beeinflussen, weil wir sicher sind, wer wir sind und was wir tun, wenn wir mit dem Prüfer interagieren.

Bei der Vorbereitung auf die Prüfung können wir uns auf zwei Punkte konzentrieren:

  • die Haltung, den Mut, die Sicherheit, die wir unseren Kindern bezüglich Prüfung geben – durch das “AUFPEPPEN”-Gespräch (die SEIN-Liste)
  • die akademische Vorbereitung (die TUN-Liste).

Die SEIN-Liste

Das Wichtigste ist die mentale Vorbereitung. Führe dir vor Augen, dass es eine Prüfung geben wird und bereite dich mental darauf vor. Die mentale Vorbereitung ist sowohl für dich als auch für das Kind wichtig. Du schaffst es!

Denk darüber nach, dass wir das Kind am Ende des Schuljahres (oft ist das ein heißer Monat) innerhalb eines Monats auf den Jahresstoff des Lehrplans vorbereiten sollen. Das ist keine leichte Aufgabe. Nicht einmal die Lehrer machen das. So wie es in den Schulen gehandhabt wird, werden die Kinder nicht darauf vorbereitet, am Ende des Schuljahres alles zu wissen was sie seit September gelernt haben. Nein, sie wissen nicht alles. Der Lehrplan ist nicht so aufgebaut.

Es ist wahrlich nicht leicht, dass am Ende des Schuljahres das Kind alles weiß, angesichts der Tatsache, dass es ständig den Druck der Prüfung spürt, einen  Prüfer, der einen “Mission unmöglich” Test vorbereitet hat, vor sich hat und sich vor der Prüfung fürchtet. Wenn man dann auch noch einen Monat vor der Prüfung gestresst ist, wird damit die Angst noch größer.

Kinder sind unsicher; sie brauchen viel Ermutigung. Sag ihnen, dass sie klug sind, dass sie es schaffen werden, dass sie es verstehen und lernen werden. Ermutige und tröste sie mit Worten. Sie sind nicht die einzigen, die eine Prüfung ablegen müssen. Vielen müssen das. Erkläre dem Kind, dass es besser dran ist als das Kind einer Regelschule, weil diese sich im Juni nicht mehr erinnern können, was sie zu Schulbeginn gelernt haben. Dein Kind aber hat noch alles intus!

Jedes Heimschulkind ist im Juni besser vorbereitet als jedes andere Kind einer Regelschule. Es lernt die Dinge viel gründlicher, weil es viel mehr in die Tiefe geht und ist schließlich auch für das Unerwartete vorbereitet, für alles, was bei der Prüfung kommen könnte. Ich finde, diese Kinder sind echt Helden. Lass sie das spüren und wissen!

Danach kommt die Vorbereitung der TUN-Liste.

Die TUN-Liste

Auf die Frage, was wir für die Prüfung lernen sollen, sagen uns die Prüfer gewöhnlich: “ALLES”. Das ist ziemlich einschüchternd und überwältigt uns. Wie essen wir einen Elefanten? Einen Bissen nach dem anderen.

“ALLES” ist durchaus machbar, wenn wir es in kleine Portionen aufteilen, die sowohl für das Kind als auch für uns klein genug sind.

Wir müssen klug sein und berücksichtigen, dass der Lehrplan für Schülergruppen gemacht ist. 80 % der Schulzeit gehen mit organisatorischen Dingen drauf. Nur 20 % der Schulzeit ist effektives Lernen. Das bedeutet, das der ganze Lehrstoff in 40 % des Schuljahres durchgemacht werden kann – wenn wir ganz langsam vorgehen. Verfalle nicht in Panik, “ALLES” ist die akademische Nahrung für 3 ½ Monate. Wirklich! Bis Weihnachten kannst du “ALLES” schaffen. Und das ist langsam!

Das gibt uns genügend Zeit zur Vorbereitung. So solltest du vorgehen:

Teile den Lehrplan in vier Teile (=vier Monate).

Dann teile wieder jeden Teil durch vier (=vier Wochen).

Jede Woche teile wieder durch vier (=vier Tage).

Dann hast du schon das “Pensum” pro Tag.

Ist dir aufgefallen, dass ich pro Woche nicht fünf Tage genommen habe und nicht alle Tage pro Monat verplant habe.

Pausentage? Nein, es gibt Wiederholungstage.

Vier Lern-Tage. Am fünften Tag wird das in den vier Tagen Gelernte wiederholt.

Vier Lernwochen pro Monat. Die restlichen Tage im Monat wird das wiederholt was wir im Monat gelernt haben.

Nach diesen vier Monaten gibt es eine Pause (normalerweise Weihnachtsferien).

Dann geht es wieder gleich weiter bis Ostern, nur doppelt so schnell (Ich glaube, es gibt nur ca. zwei Monate von Weihnachts- bis Osterferien).

Doppelt so schnell sieht so aus:

Wöchentlich: Du machst den gleichen Lehrplan durch, den du im Herbst in zwei Wochen durchgemacht hast.

Monatlich: Du gehst das durch, was du zuvor in zwei Monaten durchgemacht hast.

Vergiss dabei nicht die Wiederholungstage.

Wenn dein Kind sagt “Das ist babyleicht”, dann weißt du, dass sie den Stoff beherrschen, und zwar für immer, das heißt auch für die Prüfung. Dann brauchst du diesen Stoff nicht weiter wiederholen.

So solltest du bis Ostern mit dem Lehrplan schon zweimal durch sein. Ihr wisst beide, was gut geht, was gelernt und noch wiederholt werden soll.

Jetzt habt ihr wahrscheinlich noch einen Monat. Am besten wären fünf Wochen bis zur Prüfung. Jetzt gehst du sehr schnell vor. In einer Woche gehst du den Stoff eines Monats vom Beginn des Schuljahres durch, und zwar nur die Dinge, die dein Kind noch nicht ganz sicher beherrscht.

In der letzten Woche arbeitet ihr nur mit Prüfungsblättern, um alles zu überprüfen und das Gedächtnis aufzufrischen.

Sehr wichtig: Lernt NIE am Tag vor der Prüfung. Das sollte ein Tag der Entspannung, des Spiels und der Freizeit sein. Dein Kind hat die Kontrolle über das Gelernte (ich hoffe, du hast das “AUFPEPPEN”-Gespräch nicht vergessen). Es sollte sich vor nichts fürchten. Es gibt keinen Anlass, einen Tag vor der Prüfung zu lernen.

(In Rumänien sagen wir: “Du kannst das Schwein nicht mehr am Tag vor dem Schlachten mästen”).

Wenn du drei Mal den ganzen Stoff durchgegangen bist, gibt es keinen Grund, warum das Kind am Tag vor der Prüfung lernen sollte.

Wenn du nur eine Teilprüfung hast und nicht das ganze Schuljahr für die Vorbereitung zur Verfügung hast, dann geh so vor: Teile die Zeit, die du zur Verfügung hast in sechs Teile. Drei Teile sind für das erste Lernen da, zwei für das zweite Lernen, ein Teil ist die Wiederholung vor der Prüfung. An einem Tag pro Woche wiederhole das, was in dieser Woche gelernt wurde, jeden Monat wiederhole, was im Monat gelernt wurde. Auch hier gilt wieder das Gleiche: Kein Lernen am Tag vor der Prüfung.

Arbeite nie am Schulstoff wenn dein Kind Angst hat oder du ängstlich bist. Nimm dir Zeit, das Kind zu ermutigen sowie dich selbst. Denk an das “AUFPEPPEN”-Gespräch! Plane gut, passe dich immer entsprechend an: Du hast genug Zeit!

Es ist wichtig, bei Wiederholungen Schwindelzettel zu machen. Besonders für Grammatik, mathematische Formeln, Chemie, Geografie und Geschichte.

Ermutige dein Kind, das Wichtigste des Gelernten auf einer Seite festzuhalten. In der Woche vor der Prüfung wird es diese Schwindelzettel während der Wiederholung verwenden.

Wenn ich mich an etwas erinnere, dann an meine Schwindelzettel, die ich für die Prüfungsvorbereitung verwendet habe. Ich hab sie nie zur Prüfung mitgenommen. Das Wissen war schon verinnerlicht und ist es noch bis zum heutigen Tag.

Es ist wichtig, dass du den Lern-Stil deines Kindes kennst. So kannst du es bestmöglich unterstützen. Erinnert es sich besser, wenn es den Stoff laut liest oder ihn niederschreibt? Hilft es ihm, zuzuhören, während es herumgeht? (Wenn das der Fall ist, dann sollten die Schwindelzettel auf Audio oder Video erfolgen.) Finde heraus, wie dein Kind lernt und gib ihm die beste Unterstützung. Bei der Prüfung fragt niemand, wie man etwas gelernt hat, Hauptsache man weiß es. Weil du dein Kind zu Hause unterrichtest, musst du die Dinge nicht so wie in der Schule machen. Du kannst ihm die besten Voraussetzungen bieten.

Zum Schluss möchte ich euch mein wirkliches Geheimnis preisgeben wie ich alle Prüfungen geschafft habe: drei Gebete. Eines vor der Prüfung, eines während und eines danach.

Vor der Prüfung hab ich gebetet: “Herr, hilf mir, mich an alles zu erinnern”. Während der Prüfung: “Herr, sag mir, was ich antworten soll”. Nach der Prüfung: “Herr, schenk es, dass ich durchgekommen bin”.

Wir tun das, was wir können, indem wir uns entsprechend vorbereiten. Alles ist in Gottes Hand.

A. ist eine Homeschoolmutter aus Wien mit einer Tochter im HU (8J.) und Referentin auf der Homeschoolerkonferenz


 

 

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