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Werkzeugkasten


 

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Schon als Kind hat mich der Werkzeugraum meines Vater fasziniert. Es war ein Sperrgebiet, in dem Kinder nichts zu suchen hatten. Es wimmelte dort nur von Nägeln und Schrauben, Pfeilen und Schleifpapier. All das was ich gerne ausprobieren wollte.

Ich erinnere mich an Tage auf der Gartenbank in Berlin, in denen ich mit meiner Schwester Schlangen geschnitzt habe. Eigentlich haben wir nur die Rinde von kleinen Ästen entfernt und dann die Ästchen bunt bemalt. Nicht schön aber selten. Eigentlich wollten wir nur schnitzen. Und zwar viel und lange.

Schnitzen macht Spaß, fördert nebenbei auch noch die Konzentration und verbessert die eigene Körperwahrnehmung. Meist ist das Schnitzen der Einstieg zum Werken. Die meisten Kinder erlernen beim Schnitzen sehr schnell den Umgang mit scharfen Gegenständen und entwickeln ein Gespür für Feinheiten. Und wenn wir doch schon beim Schnitzen angelangt sind, denke ich wieder an den Werkzeugschuppen meines Vaters. Pfeilen und Schleifpapier. Hammer und Nägel. Aber was sollten Kinder eigentlich in die Hände bekommen und wo hört der Spaß auf? Ist es nicht viel zu gefährlich? Sind wir nicht eine Generation, die ihre Kinder doch am liebsten mit einem warmen Kakao in Watte packt oder auf das nächstgelegene Sofa?

Ich habe Maren Bertram gefragt, was sie dazu sagt. Maren ist Pastorenehefrau in einer FEG. Marens Kinder gehen nicht in den Kindergarten. Sie hat 4 Jungs und ist obendrein noch Sozialpädagogin. Damit hat sie sich qualifiziert mir hierzu Rede und Antwort zu stehen.

Maren, ihr seid eine kreative und handwerklich begabte Familie. Du kennst dich bestens aus. Kannst Du mir genauer erzählen, welche Werkzeuge deine Kinder verwenden dürfen?
Maren: Wir haben unsere Kinder schon ab dem 1. Lebensjahr mit echtem Werkzeug hantieren lassen – unter Aufsicht und Begleitung. Ab 2,5 Jahren haben unsere Jungs auch mit echten Schnitzmessern und Taschenmessern geschnitzt. Mit 1,5 Jahren hantierte unser vierter Sohn schon mit dem Demel und versuchte es (bei niedriger Drehzahl) seinem vier Jahre größeren Bruder gleich zu tun und an einem Holzlöffel herumzuschleifen.
Alexandra: Wow, das heißt, deine Kinder sind von klein auf richtige Handwerker! Hast Du keine Angst, dass sie sich verletzen könnten?
Maren: Bei Messern mit abgerundeter Spitze sehe ich kein Problem unter Aufsicht. Unseren Kindern ist bis auf einen kleinen Schnitt in den Finger nichts passiert. Aber es gibt eben Regeln. “Wer schnitzt, der sitzt.” Vom Körper weg arbeiten. Natürlich bedarf es Eltern, die da wirklich einführen und erklären, wie die Werkzeuge verwendet werden müssen. Mein Mann ist Stammesführer der Pfadfinder unserer Kirchengemeinde. Von Baby an sind unsere Jungs auf Pfadilagern mit dabei. Unsere Kinder wissen, dass Feuer heiß ist und dass Messer scharf sind, sie konnten einen natürlichen Respekt entwickeln.
Alexandra: Mit welchem Werkzeug beginnt ihr denn mit den Kindern?
Maren: Für die Allerkleinsten mit 8 Monaten gibt es von Victorinox ein Plastiktaschenmesser. Das begleitet die Kinder am Anfang, dann wird aber das richtige Werkzeug sehr schnell interessant. Das Kind will etwas schaffen. Es möchte den Eltern nacheifern. Wie soll es das mit Spielwerkzeugen?
Alexandra: Wie setzt du die Werkzeuge im Alltag ein?
Maren: Wir fertigen mit den Kindern alltagsnahe Gegenstände an. Wir haben zum Beispiel ein Vogelhäuschen gebaut und auch schon den einen oder anderen Löffel geschnitzt. Wir haben sogar unsere Werkzeugkiste selbst gebaut, für jedes Kind eine eigene. Wir verwenden das Werkzeug aber auch im Wald in unserer Hütte und bauen da mit den Werkzeugen. Wenn wir Möbel aufbauen oder auseinander bauen, haben wir unsere Kinder immer dabei und beziehen sie mit ein. Ich versuche meine Kinder viel im Alltag zu involvieren. Natürlich gibt es immer Dinge, die bei einer Großfamilie repariert werden müssen, da beziehen wir unsere Jungs immer mit ein. Wir versuchen uns sogar an selbstgebauten Spielzeugen und selbstgemachten Geschenken. Wir können viele Gegenstände herstellen, die man sonst kaufen müsste. So lässt sich unser kindergartenfreier Alltag gut füllen mit sinnvollen Tätigkeiten. Die Dinge die dann entstehen habe ich auch lieber, als verschiedenste Basteleien. Bei vier Kindern könnten wir das Haus mit Bastelarbeiten und Kunstwerken tapezieren. Da bin ich froh, dass unsere Kinder eher Gegenstände herstellen, die wir gut gebrauchen können. Und ich stelle fest, das macht die Kinder auch viel zufriedener. Man kann auch Bauklötze selber herstellen. Ich erinnere mich daran, dass wir sogar eine Flöte gebaut haben. Holz ist nicht das einzige Material, das wir verwenden. Es gibt ja auch die Möglichkeit mit Seife zu schnitzen oder mit Kartoffeln und Balsaholz. Ich finde es ganz wunderbar verschiedene Materialien kennen zu lernen. Das eröffnet den Kindern auch einen Einblick in Gottes Schöpfung. Die Kinder können daraus ihre Materialien nehmen und ihre Ideen entwickeln.
Alexandra: Ist es dir nicht zu stressig, drei Kinder gleichzeitig beim Werkeln zu beaufsichtigen?
Maren: Es ist ja nicht so, dass alle Kinder auf einmal da waren. Die Kinder sind nacheinander gekommen und ich habe immer genug Zeit mich um ein Kind zu kümmern und es einzuweisen. Die ganz kleinen beginnen mit dem Plastiktaschenmesser. Und im Alter von zwei Jahren haben sie begonnen mit dem richtigen Schnitzmesser zu arbeiten. Ich habe dann daneben gesessen, mit einem kleineren Kind in der Trage auf dem Rücken und habe alles genau erklärt. Stück für Stück werden die Kinder sicherer und man kann ihnen mehr zutrauen. Unser Sechsjähriger ist heute sehr sicher im Umgang mit Werkzeug. Wenn ich den Jungs eine Säge gebe, dann sägen sie sich ja nicht gleich den Finger ab, sondern sie imitieren unsere Bewegungen und wissen, dass man damit an Ästen sägt. Das sind einfach Dinge, die sind auch einem Zweijährigen klar. Als der Größere dann immer sicherer wurde, konnte ich beginnen den Kleineren enger zu begleiten und ihn heranzuführen. Der Kleinere hat sich dann aber auch schon vieles direkt bei seinem Bruder abgeschaut. Selbstverständlich saß ich viel daneben und dahinter. Für uns hat es sich als sehr praktisch herausgestellt, dass ich mit den Kindern auf unseren Stufen sitze. So kann ich hinter dem Kind sitzen und mit meinen Händen seine Hände führen, so dass die Schnittführung am Anfang gut verinnerlicht wird. Unsere Kinder schnitzen auch immer ohne Schutzhandschuhe.
Alexandra: Welche positive Entwicklung beobachtest Du an deinen Kindern im Umgang mit Werkzeugen und an ihren Fertigkeiten damit?
Maren: Also erst einmal bin ich froh darüber, eine weitere Beschäftigungsmöglichkeit für die Kinder zu haben. Noch dazu ist es eine Tätigkeit die draußen und in der Natur stattfindet. Das finde ich optimal. Unsere Kinder entwickeln sehr viel Kreativität. Unsere ersten beiden Kinder hatten in den ersten Jahren nur Holzspielzeug. Wir als Eltern konnten dann gut zusätzliche Figuren schnitzen und diese wurden wertgeschätzt. Durch unsere Arbeit mit Holz haben unsere Kinder natürlich auch ein Interesse entwickelt, selbst Figuren zu schnitzen. Man kann natürlich nicht von seinem Kind erwarten, dass es Spaß an solchen Dingen hat, wenn die Eltern so etwas gar nicht machen. Wir können unsere Kinder dafür begeistern. Ich bemerke eine Kettenreaktion bei unseren Kindern. Wenn das älteste Kind Interesse hat, dann wollen die anderen mitziehen. Sie lernen von einander und sie helfen sich gegenseitig. Wir arbeiten auch immer wieder an Langzeitprojekten, wo meine Kinder auf die Hilfe der anderen angewiesen sind. Und natürlich wird die Feinmotorik geschult. Unsere Kinder hatten noch nie Nachholbedarf diesbezüglich.
Danke Maren für diesen Einblick.

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Alexandra und ihr Mann leben seit 2 1/2 Jahren im Elsass. Vor vier Jahren haben sie die Internetseite kindergartenfrei.org ins Leben gerufen.

Alexandra ist die Hauptreferentin am 6. Homeschooler-Seminar  Oktober 2019

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Interview mit Alexandra von kindergartenfrei.org

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Bitte stell dich kurz vor

Mein Mann und ich leben seit 2 1/2 Jahren im Elsass. Wir haben unsere Heimat Berlin nach 30 Jahren verlassen um unsere Kinder selbst unterrichten zu können. Zu Beginn war es ein kleiner Kulturschock. Von Berlin aufs Land, wo Nachts die Esel schreien (Wölfen heulen hier Nachts nicht). Undenkbar für uns Großstadtmenschen. Dennoch ist es für uns die Beste Entscheidung gewesen. Es ist eine logische Konsequenz, des Kindergartenfreien Lebens, unsere Kinder nun auch selbst zu unterrichten und mit ihnen zu lernen. Kindergartenfrei war unser erster Schritt. Vor vier Jahren haben wir die Internetseite kindergartenfrei.org ins Leben gerufen. Immer mehr haben wir bemerkt, dass uns Vernetzungsmöglichkeiten fehlen. Während weit über 90% der Kinder in ihren Institutionen sind, war es uns ein Anliegen, dass auch unsere Kinder Freunde finden. Seitdem haben sich tausende Familien angeschlossen. Das macht uns sehr froh. Somit ist die Webseite zum ersten Ansprechpartner geworden, wenn es um  eine Kindergartenfreie Kindheit geht. Ein Leben ohne Kindergarten. Dies schien vor 30 Jahren nichts besonderes zu sein. Immer noch muss die ältere Generation schmunzeln, wenn ich ihnen von der Webseite berichte. Heute ist es jedoch eine Seltenheit.

Warum denkst du sind Eltern heutzutage so verunsichert, dass sie sich Erziehung ohne Fachleute nicht zutrauen?

Eltern sind vorallem verunsichert, weil Erziehung und Bildung nicht mehr der Familie zugestanden wird. Vielmehr wird schon seit einigen Jahrzehnten auch die Erziehung aus dem Elternhaus weg organisiert. So konnten viele junge Eltern in ihrer Kindheit nicht die Erfahrung machen, von der eigenen Mutter betreut zu werden. Noch dazu ist der gesellschaftliche Wandel auch ein Druckmittel. So wird doch den jungen Eltern heute bereits vor Geburt des Kindes immer wieder die Frage gestellt, ob sie denn den Kindergartenplatz schon haben.

Unter solchen Voraussetzungen brauchen wir uns doch nicht wundern, wenn Bildung und Erziehung immer mehr nach außen verlagert wird. Diejenigen, die dann kämpfen und ihre Kinder ohne eine Institution groß ziehen möchten, werden dann von allen Seiten kritisiert. Ein steter (Kritik-) Tropfen höhlt den Stein. Es bedarf tatsächlich ein dickes Fell und Mut heutzutage nicht im Kindergartenstrom mitzuschwimmen.

Was rätst du, wenn Eltern sich Sorgen wegen mangelnder Sozialkontakte machen?

Gerade im Kindergartenalter ist diese Sorge unbegründet. Der erste intensive Sozialkontakt, den Kinder haben ist der Kontakt zu ihrer primären Bindungsperson. Etwas später erweitert sich das auf die sekundäre Bindungsperson. Stück für Stück kommen mehr Kontakte hinzu, wie Geschwister und Freunde zu denen die Kinder eine Bindung aufbauen. Kinder durchlaufen ungefähr bis zu ihrem achten Lebensjahr sechs Bindungsstufen, während diesen sie ihre Hauptbindungspersonen ( im Regelfall die Eltern) am Meisten benötigen. Diese enge Bindung ermöglicht dann auch einen sicheren und kompetenten Umgang mit anderen Kindern. Wenn wir Kinder von klein an mit Gleichaltrigen sozialisieren, statt mit ihren Eltern haben wir ein Problem. Die Kinder orientieren sich an unreifen Kindern, statt an reifen Erwachsenen. Natürlich ist es wünschenswert, dass Kinder andere Kinder zum Spielen haben, aber es ist nicht in dem Ausmaß notwendig, wie es uns von Seiten der Pädagogik vermittelt wird. Ich rate Eltern, selbst aktiv zu werden. Denn auch für Mütter ist es schön sich regelmäßig mit anderen Müttern auszutauschen.

Früher war dies normal, heute wird es immer schwieriger. Über Gemeinden, Sportgruppen und Familiencafés können Kontakte geknüpft werden, sowie über unsere Webseite. Mittlerweile sind wir in vielen Regionen Österreichs vertreten und haben Regionalgruppen gegründet, um gemeinsam Waldausflüge zu unternehmen oder einfach nur gemeinsam im Garten zu sitzen und zu spielen. So schön Spielkontakte auch sind, bleibe ich dabei: Wir können Kinder nicht sozialisieren, in dem wir sie mit Gleichaltrigen isolieren.

Alexandra ist die Hauptreferentin am 6. Homeschoolerseminar  Oktober 2019

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Homeschooler Konferenz

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Save the Date!

 

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6. Homeschooler Seminar am Annaberg

            10.10.2019 -13.10.2019

 

 

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Smartphones als Babysitter

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“Immer mehr Kinder, die in die Schule kommen, sind  nicht mehr fähig, einen Bleistift richtig zu halten, weil die grundlegenden Bewegungsabläufe fehlen.”

Sally Payne, leitende Ergotherapeutin

Smartphones und Tablets sind praktische Babysitter, schnell zu Hand, man kann in Ruhe seine Arbeit erledigen und die elektronischen Nannies beruhigen das Kleinkind schneller als ein Schnuller das kann.

Aber ein neuer Report von Heart of England Foundation NHS Trust zeigt, das Schulanfänger immer mehr feinmotorische Defizite aufweisen.

Hier geht es zum Artikel:

Too much Technology

View More: http://ruthsusanna.pass.us/theengelhardts

Sebastian Engelhardt, unser Referent beim Homeschoolseminar 2018, spricht über die Chancen und Gefahren der digitalien Medien am Samstag um 19.30 im http://feriendorf-finsterau.de .

Heute ist Anmeldeschluss!

Es gibt noch einige Plätze frei.

ANMELDUNG zum Homeschoolerseminar, auch als Tagesgast möglich!

 

 

 

 

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