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Der Pilger und die drei Schreine

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Ich habe eine Geständnis zu machen: Heute wollte ich nicht Mutter sein.

Ich wollte meine Kinder nicht unterrichten. Meine Tochter war zwar bereit, aber als sie auf ihrem Lieblingssessel sass, sank mir das Herz. Warum muss ich das schon wieder machen?

Mein anderes Kind benötigte meinen Rat in einer schwierigen Angelegenheit. Es ist toll, dass ich so eine Beziehung mit meiner Tochter habe. Ich würde das auch niemals ändern wollen. Aber ihre Frage war schwer zu beantworten. Warum krieg ich immer die schwierigen Fragen gestellt? Ich bin weder alt noch weise genug dazu.

Beim Abendessen hat sich meine Familie darüber lustig gemacht, dass ich immer darauf bestehe, dass alle ihr Gemüse essen. Natürlich ist das eine Kleinigkeit, aber auch Kleinigkeiten können einem manchmal zu viel werden. Ich hab es leid, immer die unbeliebten Entscheidungen treffen zu müssen.

Mutter sein ist nicht immer einfach. Eltern haben die von Gott gegebene Aufgabe, die Leitung im Haus zu übernehmen.

Manchmal möchten wir nicht derjenige sein, der alle  Entscheidungen trifft, vor allem, wenn wir merken, wie sehr diese Entscheidungen die Atmosphäre in unserem Haushalt beeinflussen. Manchmal sind wir es leid, die Verantwortung über Kinder und den Haushalt zu tragen.

Wenn wir ehrlich sind, kann das Planen des Abendessens manchmal schon zu viel werden. Noch eine Entscheidung, die wir treffen müssen! Noch eine Verantwortung zu tragen.

Charlotte Mason erkannte, wie schwer es manchmal ist, Mutter zu sein. Also schrieb sie eine Geschichte, um uns zu warnen. (Band 2, Seiten 12 u. 13):

Stell dir vor, du seist ein Pilger auf Wahlfahrt. In deinen Armen trägst du die Last der Authorität – die Verantwortung sich um alles Notwendige im Haushalt und die Kinder zu kümmern.

Während deiner Reise kommst du an drei Schreinen vorbei. Ein Schrein ist eine Art Heiligtum, ein Ort der Anbetung.

Der erste Schrein ist der Schrein der Popularität. Die Versuchung, die Last an diesem Schrein abzulegen, ist sehr groß. Vergiss die Verantwortung! Ich möchte lieber jedermanns Freund sein. Ich will, dass andere mich mögen!

Der zweite Schrein ist der Geschäftigkeit gewidmet. Auch hier wird gern die Last der Verantwortung abgelegt. Es gibt andere Dinge, denen wir lieber unsere Zeit schenken möchten.

Beim dritten Schrein sind viele stehen geblieben. Es ist der Schrein der Leichtigkeit. Die Last der Autorität ist immerhin sehr schwer! Warum muss ich so hart arbeiten? Es wäre leichter, Dingen einfach ihren freien Lauf zu lassen, als sich immer darüber Gedanken zu machen, was für die Familie am besten sei.

Diese Geschichte gibt uns zu denken, nicht wahr? Vor allem, wenn wir sie auf unser Leben beziehen.

Zum Beispiel ist es unsere Aufgabe, unseren Kindern bewusst gute Angewohnheiten beizubringen. Aber manchmal geben wir es auf, weil unsere Kinder den Wert der Gewohnheit nicht erkennen und nicht daran arbeiten möchten. Manchmal gibt es so viele andere Dinge, um die wir uns lieber kümmern würden. Vielleicht haben wir es auch aufgegeben, weil es anstrengend ist, konsequent täglich neue Gewohnheiten zu trainieren.

Der Hausunterricht muss konsequent durchgeführt werden. Jedoch sind wir versucht, Lektionen, die unseren Kindern keinen Spaß machen, auszulassen. Oder wir verbrauchen unsere Zeit mit anderen Aktivitäten, die leichter sind und mehr Spaß machen.

Es ist unsere Aufgabe, lebendige Ideen zu präsentieren. Aber unsere Freunde begnügen sich damit Fakten auswendig zu lernen. Wir vernachlässigen dann den Festschmaus der lebendigen Ideen, weil es leichter ist, den Kindern ein Textbuch vorzulegen, oder sie vor den Fernseher zu setzen.

Autorität tauscht ihre Verantwortung nicht gegen Popularität aus. Wir tun das, was für unsere Familie am besten ist, auch wenn es unseren Kindern nicht gefällt, oder unsere Freunde etwas anderes machen.

Autorität gibt auch nicht ihre Verantwortung im Namen der Geschäftigkeit auf. Wir erlauben es uns nicht, von momentanen sogenannten dringenden Dingen abgelenkt zu werden, sondern konzentrieren uns auf das, was beständig ist.

Autorität gibt auch nicht ihre Last auf, um ihr Leben leichter zu machen. Wir tun, was wir als richtig empfinden, auch wenn uns nicht danach ist, oder es schwierig ist.

Mutter sein ist eine hohe Berufung. Wir beeinflussen die Atmosphäre, Disziplin und das Leben zu Hause. Diese Verantwortung können wir einfach nicht ablegen! Wenn wir aufgeben, müssen unsere Kinder die Last tragen, oder sie gehen unter, weil sie die Leitung, die sie so sehr benötigen, nicht haben.

Und so, meine Mitpilger, hat Charlotte Mason mich wieder einmal ermutigt. Ich hoffe dich auch. Morgen ist ein neuer Tag mit neuen Herausforderungen. Aber während wir den Pfad gehen, der vor uns liegt, wollen wir uns erneut unserer Verantwortung hingeben. Vielleicht werden wir sie auch zu schätzen lernen.

Um der Kinder willen


 

Nur noch 2 Tage…..

…dann ist die Möglichkeit, bei der 3. Homeschooler-Freizeit dabei zu sein, vorbei!

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Charlotte – Mason – Workshop mit Yasmine Luethi

#Wie erstelle ich ein Naturtagebuch?

#Künstler,Dichter kennenlernen nach der Charlotte Mason Methode

#Homeschooling mit Vorschulkinder und Pubertierende

#5 Fehler,die ich bereut habe

#Fragen und Antworten zum Thema Charlotte Mason Methode

Anmeldungen zum Seminar


 

 

 

 

Kunstunterricht

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Es sieht so aus, als ob viele Schulen entweder hier und dort ein bisschen Kunst über ihren Lehrplan drüberstreuen oder das Thema aufgrund von zeitlichen Problemen ganz weglassen. Keine dieser Vorgehensweise hat einen großzügigen Lehrplan als Ziel im Auge.

Charlotte Mason ist da einen ausgeglichenen Weg gegangen. Einerseits hat sie genügend Zeit für all ihre Schüler eingeplant, damit sie die Kunst der anderen schätzen und andererseits gab es genügend Möglichkeiten, die eigene Kunst auszudrücken. Auch wir können das tun, egal, wie es mit unseren künstlerischen Fähigkeiten steht.

 

Kunstwertschätzung

 

Ein Schätzen der Kunst kommt durch eine Methode namens Bildstudie zustande. Alles, was dazu nötig ist, sind 10-15 Minuten pro Woche. Und so wird eine Bildstudie unterrichtet.

  1. Such dir einen Künstler bzw. eine Künstlerin aus und bleibe dabei 12 Wochen.
  2. Einmal pro Woche suchst du dir ein Werk des Künstlers aus und betrachtest es mit den Schülern solange, bis sie die Details auch mit geschlossenen Augen vor sich sehen können.
  3. Lass anschließend die Kinder erzählen, wie das Bild aussieht, indem du es verdeckst oder hinter deinem Rücken versteckst.
  4. Schaut euch dann nochmal das Bild gemeinsam an und sprecht über andere interessante Details.
  5. Hänge das Bild für den Rest der Woche zuhause auf.

 

In der darauffolgenden Woche schaut euch ein anderes Bild des gleichen Künstlers an. Das macht ihr einmal pro Woche und solange, bis ihr sechs bis acht Bilder eines Künstlers durchgemacht habt. Ihr könnt auch eine lebendig erzählte Biografie eines Künstlers lesen und vergesst nicht, den Künstler auf dem Jahrhundertbuch einzutragen.

Am Ende der 12 Wochen werdet ihr ein ziemlich gutes Gefühl für den Stil und die Ideen des Künstlers entwickelt haben, die er durch die Werke vermitteln wollte. Das Gleiche mach dann mit einem weiteren Künstler.

Charlottes Wunsch war es, die Kinder in die Welt der großen Ideen der Künstler durch deren Werke einzuführen und sich dann zurückzuziehen. Sie hat keine Kunstkurse bzw. Interpretationskurse für Kunst abgehalten sondern die Kinder ermutigt, sich die Werke selbst genau anzuschauen und sich dann ihre eigene Meinung zu bilden.

 

Kunstausdruck

 

Charlotte leitete ihre Schüler auch an, wie sie sich selbst ausdrücken konnten. Sie plante Zeit für Kinder ein, damit sie frei nach ihren Vorstellungen zeichnen konnten bzw. das, was sie in ihrer Umgebung wahrnahmen. Methoden waren das Töpfern, Malen, Zeichnen und Kohlezeichnen.

Es gibt nicht viele detaillierte Informationen, wie Charlotte Kunst unterrichtete, aber viele ihrer Prinzipien für den Unterricht im Basteln waren die gleichen.

  1. Plane den Kunstunterricht für den Nachmittag ein, damit du mehr Zeit zur          Verfügung hast und die kürzeren Stunden am Vormittag schon vorüber sind.
  2. Sag den Kindern, dass sie immer ihr Bestes geben sollen.
  3. Um die Kinder zu ermutigen, ihr Bestes zu geben, zeige ihnen langsam und geduldig, was sie tun sollen.
  4. Achte darauf, dass die Projekte immer auf die Fähigkeiten abgestimmt sind. Fordere sie heraus, aber überfordere sie nicht.
  5. Suche Projekte aus, die Sinn machen und gib ihnen keine Aufgaben, die dann einfach weggeworfen werden. Die Kinder sollen Zeit und Mühe aufbringen und dann ein Erfolgserlebnis haben, etwas vollbracht zu haben.

 

Kunst ist ein wunderbares Werkzeug, das Abwechslung in euren Tag hineinbringt und die Gedanken der Kinder mit dem, was gut, schön und großzügig ist. Mit Charlottes einfachen Methoden  musst du kein Kunstexperte sein, um deinen Kindern das Geschenk der Kunst vermitteln zu können.

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Leseliste für die Oberstufe

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Geschichte literarisch aufbereitet

 

Stefan Zweig:

Erasmus von Rotterdam (Vordenker der

Reformation – Lutherzeit)

Marie Antionette (Französische

Revolution)

Andreas Gryphius:

Sonette (30-jähriger Krieg)

Georg Büchner:

Der hessische Landbote (gegen soziale

Ungerechtigkeit in der Zeit des Vormärz)

Gerhart Hauptmann:

Die Weber (Weberaufstand in Schlesien)

Franz Grillparzer:

Ein Bruderzwist in Habsburg

(Gegenreformation)

Erich Maria Remarque:

In Westen nichts Neues (von der

Schulbank in den 1. Weltkrieg)

Reinhold Schneider:

Las Casas vor Karl V. (Katholisierung

Südamerikas)

Peter Weiss:

Die Ermittlung (Nürnberger Prozesse in

Orginalzitaten auf der Bühne)

Rolf Hochhuth:

Der Stellvertreter (Rolle des Papstes in der

NS-Zeit)

Friedrich Dürrenmatt:

Romulus der Große (altes Rom, NS-Zeit)

Robert Musil:

Der Mann ohne Eigenschaften Teil 1 (das alte

Österreich)

Reiner Kunze: Die wunderbaren Jahre (Aufbegehren gegen die

DDR- Diktatur)

Erich Hackl: Abschied von Sidonie (Rassismus der NS-Zeit in

Österreich)

Mehr gibt’s auf www.charlottemason.at


 

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Category: Buchtipps, Charlotte Mason | Tags:

Wort-Training

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Wort-Training ist das Wiederholen bzw. Aufsagen von aneinandergereihten Silben, egal, ob sie etwas bedeuten oder nicht. Charlotte Mason meinte, dass die Gedanken des Kindes oft woanders sind und der Lehrer Tricks und Wiederholungsübungen anwendet, um es dazu zu bringen, sich an bestimmte Wörter zu erinnern.

Traurigerweise besteht die Ausbildung vieler Kinder aus solchen Übungen. Manchmal wiederholen oder singen die Kinder bestimmte Wörter. Ein andermal müssen die Kinder den Lückentext ausfüllen, um zu beweisen, dass sie sich an die Wörter erinnern. Und nur allzu oft haben die Kinder keine Ahnung, welche Ideen hinter den Wörtern, die sie wiedergeben, stecken.

Z. B. lesen Kinder folgenden Text: „Tabak war die beste Bargeldeinnahmequelle für das koloniale Virginia. 1776 betrug der Ertrag bereits 55 Mio. Pfund pro Jahr.“

Am Ende des Kapitels finden sie dann die folgenden Fragen dazu:

1. Was war die beste Bargeldeinnahmequelle für das koloniale Virginia?

2. Wie viel Pfund betrug sie im Jahr 1776?

Die Kinder finden die entsprechenden Antworten dann, indem sie den Text durch scannen und beantworten die Fragen richtig, weil sie das richtige Wort gefunden haben. Leider haben sie aber oft keine Ahnung, was hinter der Idee eines kolonialen Virginias steht bzw. was eine Bargeldeinnahmequelle ist, geschweige denn wie die Profitgier beinahe Jamestown zerstörte.

Es ist alles nur ein Wort-Training bzw. Erinnerungsspiel. Sag dem Lehrer das richtige Wort, nach dem er fragt.

Im Gegensatz dazu: Stell dir vor, was sich in deinem Kopf abspielt, wenn du ein einziges Wort hörst: Erntedank (Thanksgiving). Sofort kommen dir dabei viele Bilder und Emotionen in den Sinn welche deinen Geist und dein Herz erfüllen. Diese Erinnerungen kannst du dann auf unterschiedliche und abwechslungsreiche Art und Weise in Worten und Sätzen beschreiben. Auf manche kannst du dann näher drauf eingehen.

Das ist das, was Charlotte unter Geist-Training verstanden hat. Dabei wird der ganze Geist aktiviert, weil er sich mit lebendigen Ideen befasst.

Deshalb verwendete sie „Lebendige Bücher“. Du erinnerst dich an Erzählungen, weil sie deine Emotionen berühren und deine Phantasie entfachen. Du siehst eine Szene in deinem geistigen Auge, und von dieser Szene aus kannst du Erinnerungen mit deinem ganzen Geist herausholen: Sehen, Hören, Riechen, Emotionen. Diese Ideen kannst du dann auf unterschiedlichste Art und Weise frei mitteilen.

Das ist Geist-Training. Ein Riesenunterschied ist das!

Geist-Training oder Wort-Training – welches Training betonst du in deinem Heimunterricht? Charlotte glaubte, dass dann, wenn uns der Unterschied der beiden Trainingsarten bewusst wird, wir bereit sein werden, „umfassende Änderungen in unseren Lehrmethoden vorzunehmen.“