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Mission Statements für Homeschooler

Leitplanke
Stell dir vor:
Es ist Ende Januar, seit Monaten ist es kalt und verschneit, vier Kinder im Alter zwischen 3 und 9 Jahren sind schlecht gelaunt und zu allem Überfluss kämpfst du mit deinen monatlichen Hormonschwankungen. Nach einem völlig chaotischen Morgen, in der keine einzige Aufgabe zu Ende gebracht wurde, ruft dein Mann dich aus der Arbeit an und fragt: „Schatz, wie geht’s?”
Völlig entnervt erzählst du von dem Morgen und fragst ihn: „Warum machen wir das alles überhaupt, können wir die Kinder nicht einfach in die Schule schicken? Sie haben keine Lust, ich habe das Gefühl ihnen niemals gerecht werden zu können, ich weiß überhaupt nicht, was das alles soll!“
Vielleicht kennst du solche eine Situation, vielleicht hast du selber schon mal eine ähnliche Situation erlebt, in der du dich fragtest: „Warum das alles, der Preis scheint so hoch und ich weiß nicht wie lange ich das noch schaffe“.
Oder du stehst am Anfang des Weges und fragst dich „Wie soll das alles werden, bin ich/ sind wir der Aufgabe gewachsen?“. Möglicherweise bist du auch unheimlich motiviert, freust dich auf die gemeinsamen Erfahrungen mit den Kindern und fragst dich wozu solch ein „Mission Statement“ nützlich sein soll?
Doch, was ist das überhaupt – ein Mission Statement?
In meiner Recherche zum Thema stieß ich auf eine passende Definition bei www.karriere.de:
Ein Mission Statement ist:
„Eine Art persönliche Leitplanke, die uns immer wieder daran erinnert soll, wofür wir tun was wir tun“
In meiner Eingangs erwähnten Geschichte war die Antwort meines Mannes: „Wir möchten, dass die Kinder in einer christlichen Weltsicht aufwachsen und ihnen diese Weltsicht in allem Leben und Lernen vermitteln“
Erleichtert seufzt die Mutter, atmet tief durch und fühlt sich gestärkt dem Chaos entgegenzutreten. Der Nebel ist gewichen, das Ziel wieder vor Augen.
Die Geschichte hat sich ungefähr so in diesem Jahr bei uns zu Hause zugetragen. Die Aussage meines Mannes hat mich unheimlich beruhigt, weil ich erinnert wurde wofür ich tue was ich tue.
Wie sich solch ein „Mission Statement“ entwickelt, welche weiteren Vorteile es bietet und wie es unseren Alltag beeinflusst, werdet ihr am Freitag morgen auf dem Homeschooling Seminar am Annaberg erfahren.
Ich freue mich auf euch!
Sabine

www.arturbine.at

Werkzeugkasten


 

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Schon als Kind hat mich der Werkzeugraum meines Vater fasziniert. Es war ein Sperrgebiet, in dem Kinder nichts zu suchen hatten. Es wimmelte dort nur von Nägeln und Schrauben, Pfeilen und Schleifpapier. All das was ich gerne ausprobieren wollte.

Ich erinnere mich an Tage auf der Gartenbank in Berlin, in denen ich mit meiner Schwester Schlangen geschnitzt habe. Eigentlich haben wir nur die Rinde von kleinen Ästen entfernt und dann die Ästchen bunt bemalt. Nicht schön aber selten. Eigentlich wollten wir nur schnitzen. Und zwar viel und lange.

Schnitzen macht Spaß, fördert nebenbei auch noch die Konzentration und verbessert die eigene Körperwahrnehmung. Meist ist das Schnitzen der Einstieg zum Werken. Die meisten Kinder erlernen beim Schnitzen sehr schnell den Umgang mit scharfen Gegenständen und entwickeln ein Gespür für Feinheiten. Und wenn wir doch schon beim Schnitzen angelangt sind, denke ich wieder an den Werkzeugschuppen meines Vaters. Pfeilen und Schleifpapier. Hammer und Nägel. Aber was sollten Kinder eigentlich in die Hände bekommen und wo hört der Spaß auf? Ist es nicht viel zu gefährlich? Sind wir nicht eine Generation, die ihre Kinder doch am liebsten mit einem warmen Kakao in Watte packt oder auf das nächstgelegene Sofa?

Ich habe Maren Bertram gefragt, was sie dazu sagt. Maren ist Pastorenehefrau in einer FEG. Marens Kinder gehen nicht in den Kindergarten. Sie hat 4 Jungs und ist obendrein noch Sozialpädagogin. Damit hat sie sich qualifiziert mir hierzu Rede und Antwort zu stehen.

Maren, ihr seid eine kreative und handwerklich begabte Familie. Du kennst dich bestens aus. Kannst Du mir genauer erzählen, welche Werkzeuge deine Kinder verwenden dürfen?
Maren: Wir haben unsere Kinder schon ab dem 1. Lebensjahr mit echtem Werkzeug hantieren lassen – unter Aufsicht und Begleitung. Ab 2,5 Jahren haben unsere Jungs auch mit echten Schnitzmessern und Taschenmessern geschnitzt. Mit 1,5 Jahren hantierte unser vierter Sohn schon mit dem Demel und versuchte es (bei niedriger Drehzahl) seinem vier Jahre größeren Bruder gleich zu tun und an einem Holzlöffel herumzuschleifen.
Alexandra: Wow, das heißt, deine Kinder sind von klein auf richtige Handwerker! Hast Du keine Angst, dass sie sich verletzen könnten?
Maren: Bei Messern mit abgerundeter Spitze sehe ich kein Problem unter Aufsicht. Unseren Kindern ist bis auf einen kleinen Schnitt in den Finger nichts passiert. Aber es gibt eben Regeln. “Wer schnitzt, der sitzt.” Vom Körper weg arbeiten. Natürlich bedarf es Eltern, die da wirklich einführen und erklären, wie die Werkzeuge verwendet werden müssen. Mein Mann ist Stammesführer der Pfadfinder unserer Kirchengemeinde. Von Baby an sind unsere Jungs auf Pfadilagern mit dabei. Unsere Kinder wissen, dass Feuer heiß ist und dass Messer scharf sind, sie konnten einen natürlichen Respekt entwickeln.
Alexandra: Mit welchem Werkzeug beginnt ihr denn mit den Kindern?
Maren: Für die Allerkleinsten mit 8 Monaten gibt es von Victorinox ein Plastiktaschenmesser. Das begleitet die Kinder am Anfang, dann wird aber das richtige Werkzeug sehr schnell interessant. Das Kind will etwas schaffen. Es möchte den Eltern nacheifern. Wie soll es das mit Spielwerkzeugen?
Alexandra: Wie setzt du die Werkzeuge im Alltag ein?
Maren: Wir fertigen mit den Kindern alltagsnahe Gegenstände an. Wir haben zum Beispiel ein Vogelhäuschen gebaut und auch schon den einen oder anderen Löffel geschnitzt. Wir haben sogar unsere Werkzeugkiste selbst gebaut, für jedes Kind eine eigene. Wir verwenden das Werkzeug aber auch im Wald in unserer Hütte und bauen da mit den Werkzeugen. Wenn wir Möbel aufbauen oder auseinander bauen, haben wir unsere Kinder immer dabei und beziehen sie mit ein. Ich versuche meine Kinder viel im Alltag zu involvieren. Natürlich gibt es immer Dinge, die bei einer Großfamilie repariert werden müssen, da beziehen wir unsere Jungs immer mit ein. Wir versuchen uns sogar an selbstgebauten Spielzeugen und selbstgemachten Geschenken. Wir können viele Gegenstände herstellen, die man sonst kaufen müsste. So lässt sich unser kindergartenfreier Alltag gut füllen mit sinnvollen Tätigkeiten. Die Dinge die dann entstehen habe ich auch lieber, als verschiedenste Basteleien. Bei vier Kindern könnten wir das Haus mit Bastelarbeiten und Kunstwerken tapezieren. Da bin ich froh, dass unsere Kinder eher Gegenstände herstellen, die wir gut gebrauchen können. Und ich stelle fest, das macht die Kinder auch viel zufriedener. Man kann auch Bauklötze selber herstellen. Ich erinnere mich daran, dass wir sogar eine Flöte gebaut haben. Holz ist nicht das einzige Material, das wir verwenden. Es gibt ja auch die Möglichkeit mit Seife zu schnitzen oder mit Kartoffeln und Balsaholz. Ich finde es ganz wunderbar verschiedene Materialien kennen zu lernen. Das eröffnet den Kindern auch einen Einblick in Gottes Schöpfung. Die Kinder können daraus ihre Materialien nehmen und ihre Ideen entwickeln.
Alexandra: Ist es dir nicht zu stressig, drei Kinder gleichzeitig beim Werkeln zu beaufsichtigen?
Maren: Es ist ja nicht so, dass alle Kinder auf einmal da waren. Die Kinder sind nacheinander gekommen und ich habe immer genug Zeit mich um ein Kind zu kümmern und es einzuweisen. Die ganz kleinen beginnen mit dem Plastiktaschenmesser. Und im Alter von zwei Jahren haben sie begonnen mit dem richtigen Schnitzmesser zu arbeiten. Ich habe dann daneben gesessen, mit einem kleineren Kind in der Trage auf dem Rücken und habe alles genau erklärt. Stück für Stück werden die Kinder sicherer und man kann ihnen mehr zutrauen. Unser Sechsjähriger ist heute sehr sicher im Umgang mit Werkzeug. Wenn ich den Jungs eine Säge gebe, dann sägen sie sich ja nicht gleich den Finger ab, sondern sie imitieren unsere Bewegungen und wissen, dass man damit an Ästen sägt. Das sind einfach Dinge, die sind auch einem Zweijährigen klar. Als der Größere dann immer sicherer wurde, konnte ich beginnen den Kleineren enger zu begleiten und ihn heranzuführen. Der Kleinere hat sich dann aber auch schon vieles direkt bei seinem Bruder abgeschaut. Selbstverständlich saß ich viel daneben und dahinter. Für uns hat es sich als sehr praktisch herausgestellt, dass ich mit den Kindern auf unseren Stufen sitze. So kann ich hinter dem Kind sitzen und mit meinen Händen seine Hände führen, so dass die Schnittführung am Anfang gut verinnerlicht wird. Unsere Kinder schnitzen auch immer ohne Schutzhandschuhe.
Alexandra: Welche positive Entwicklung beobachtest Du an deinen Kindern im Umgang mit Werkzeugen und an ihren Fertigkeiten damit?
Maren: Also erst einmal bin ich froh darüber, eine weitere Beschäftigungsmöglichkeit für die Kinder zu haben. Noch dazu ist es eine Tätigkeit die draußen und in der Natur stattfindet. Das finde ich optimal. Unsere Kinder entwickeln sehr viel Kreativität. Unsere ersten beiden Kinder hatten in den ersten Jahren nur Holzspielzeug. Wir als Eltern konnten dann gut zusätzliche Figuren schnitzen und diese wurden wertgeschätzt. Durch unsere Arbeit mit Holz haben unsere Kinder natürlich auch ein Interesse entwickelt, selbst Figuren zu schnitzen. Man kann natürlich nicht von seinem Kind erwarten, dass es Spaß an solchen Dingen hat, wenn die Eltern so etwas gar nicht machen. Wir können unsere Kinder dafür begeistern. Ich bemerke eine Kettenreaktion bei unseren Kindern. Wenn das älteste Kind Interesse hat, dann wollen die anderen mitziehen. Sie lernen von einander und sie helfen sich gegenseitig. Wir arbeiten auch immer wieder an Langzeitprojekten, wo meine Kinder auf die Hilfe der anderen angewiesen sind. Und natürlich wird die Feinmotorik geschult. Unsere Kinder hatten noch nie Nachholbedarf diesbezüglich.
Danke Maren für diesen Einblick.

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Alexandra und ihr Mann leben seit 2 1/2 Jahren im Elsass. Vor vier Jahren haben sie die Internetseite kindergartenfrei.org ins Leben gerufen.

Alexandra ist die Hauptreferentin am 6. Homeschooler-Seminar  Oktober 2019

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Category: Allgemein, Gastblogger

Interview mit Alexandra von kindergartenfrei.org

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Bitte stell dich kurz vor

Mein Mann und ich leben seit 2 1/2 Jahren im Elsass. Wir haben unsere Heimat Berlin nach 30 Jahren verlassen um unsere Kinder selbst unterrichten zu können. Zu Beginn war es ein kleiner Kulturschock. Von Berlin aufs Land, wo Nachts die Esel schreien (Wölfen heulen hier Nachts nicht). Undenkbar für uns Großstadtmenschen. Dennoch ist es für uns die Beste Entscheidung gewesen. Es ist eine logische Konsequenz, des Kindergartenfreien Lebens, unsere Kinder nun auch selbst zu unterrichten und mit ihnen zu lernen. Kindergartenfrei war unser erster Schritt. Vor vier Jahren haben wir die Internetseite kindergartenfrei.org ins Leben gerufen. Immer mehr haben wir bemerkt, dass uns Vernetzungsmöglichkeiten fehlen. Während weit über 90% der Kinder in ihren Institutionen sind, war es uns ein Anliegen, dass auch unsere Kinder Freunde finden. Seitdem haben sich tausende Familien angeschlossen. Das macht uns sehr froh. Somit ist die Webseite zum ersten Ansprechpartner geworden, wenn es um  eine Kindergartenfreie Kindheit geht. Ein Leben ohne Kindergarten. Dies schien vor 30 Jahren nichts besonderes zu sein. Immer noch muss die ältere Generation schmunzeln, wenn ich ihnen von der Webseite berichte. Heute ist es jedoch eine Seltenheit.

Warum denkst du sind Eltern heutzutage so verunsichert, dass sie sich Erziehung ohne Fachleute nicht zutrauen?

Eltern sind vorallem verunsichert, weil Erziehung und Bildung nicht mehr der Familie zugestanden wird. Vielmehr wird schon seit einigen Jahrzehnten auch die Erziehung aus dem Elternhaus weg organisiert. So konnten viele junge Eltern in ihrer Kindheit nicht die Erfahrung machen, von der eigenen Mutter betreut zu werden. Noch dazu ist der gesellschaftliche Wandel auch ein Druckmittel. So wird doch den jungen Eltern heute bereits vor Geburt des Kindes immer wieder die Frage gestellt, ob sie denn den Kindergartenplatz schon haben.

Unter solchen Voraussetzungen brauchen wir uns doch nicht wundern, wenn Bildung und Erziehung immer mehr nach außen verlagert wird. Diejenigen, die dann kämpfen und ihre Kinder ohne eine Institution groß ziehen möchten, werden dann von allen Seiten kritisiert. Ein steter (Kritik-) Tropfen höhlt den Stein. Es bedarf tatsächlich ein dickes Fell und Mut heutzutage nicht im Kindergartenstrom mitzuschwimmen.

Was rätst du, wenn Eltern sich Sorgen wegen mangelnder Sozialkontakte machen?

Gerade im Kindergartenalter ist diese Sorge unbegründet. Der erste intensive Sozialkontakt, den Kinder haben ist der Kontakt zu ihrer primären Bindungsperson. Etwas später erweitert sich das auf die sekundäre Bindungsperson. Stück für Stück kommen mehr Kontakte hinzu, wie Geschwister und Freunde zu denen die Kinder eine Bindung aufbauen. Kinder durchlaufen ungefähr bis zu ihrem achten Lebensjahr sechs Bindungsstufen, während diesen sie ihre Hauptbindungspersonen ( im Regelfall die Eltern) am Meisten benötigen. Diese enge Bindung ermöglicht dann auch einen sicheren und kompetenten Umgang mit anderen Kindern. Wenn wir Kinder von klein an mit Gleichaltrigen sozialisieren, statt mit ihren Eltern haben wir ein Problem. Die Kinder orientieren sich an unreifen Kindern, statt an reifen Erwachsenen. Natürlich ist es wünschenswert, dass Kinder andere Kinder zum Spielen haben, aber es ist nicht in dem Ausmaß notwendig, wie es uns von Seiten der Pädagogik vermittelt wird. Ich rate Eltern, selbst aktiv zu werden. Denn auch für Mütter ist es schön sich regelmäßig mit anderen Müttern auszutauschen.

Früher war dies normal, heute wird es immer schwieriger. Über Gemeinden, Sportgruppen und Familiencafés können Kontakte geknüpft werden, sowie über unsere Webseite. Mittlerweile sind wir in vielen Regionen Österreichs vertreten und haben Regionalgruppen gegründet, um gemeinsam Waldausflüge zu unternehmen oder einfach nur gemeinsam im Garten zu sitzen und zu spielen. So schön Spielkontakte auch sind, bleibe ich dabei: Wir können Kinder nicht sozialisieren, in dem wir sie mit Gleichaltrigen isolieren.

Alexandra ist die Hauptreferentin am 6. Homeschoolerseminar  Oktober 2019

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Soft Skills fördern bei Kindern

webseite CM

Immer wieder berichten Eltern darüber, dass sie eine große Kluft zwischen dem österreichischen Lehrplan und dem Lernvermögen ihrer Kinder wahrnehmen. Die Kinder werden nicht mit dem Stoff fertig. Die Lerneinheiten ziehen sich in die Länge. Es gibt Tage an denen nur noch gelernt wird, und die gemeinsame Freizeit zu kurz kommt. Manchmal denkt man darüber nach, ob die Entscheidung unsere Kinder in den häuslichen Unterricht zu geben richtig war. Kennt ihr das? Charlotte Mason schreibt sehr viel über diese Probleme und ihre Lösungen. Leider wird darüber nicht sehr oft berichtet. Es ist ja auch ein schwieriges Thema. Ich möchte euch nun ein paar grundlegende Fakten aus Masons Wissensschatz darlegen und hoffe dem Einen oder Anderen damit ein bisschen Sicherheit und Wohlgefühl schenken zu können.

„Soft skills“ sind heute wichtiger denn je, wenn es darum geht eine Berufsausbildung zu beginnen. Mason bezeichnete diese „soft skills“ als „habbits“, im Sinne von Fähigkeiten und Fertigkeiten, oder auch Eigenschaften die durch Einsicht erworben werden. Liest man ihre Texte genauer, kann man erkennen, dass sie diese Fähigkeiten und Fertigkeiten immer wieder mit automatisierten Handlungen vergleicht. Warum macht sie das? Ist es nicht wichtig, dass unsere Kinder sich aus „freiem Willen“ für gutes Benehmen etc. entscheiden? Natürlich ist das so. Kurz zusammengefasst möchte ich das wie folgt erklären: wenn unsere Kinder ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten und vor allem den Willen dazu automatisiert haben, wenn sie nicht mehr darüber nachzudenken haben, ob sie etwas tun sollen, wollen oder können, dann sparen sie sich sehr viel Zeit. Die Frage ist nun, wie man so ein Verhalten aufbauen kann.

Zu aller erst nimmt sich Charlotte Mason uns, die Eltern, zur Brust. Wir tragen die Verantwortung dafür, welche Gewohnheiten, Fähigkeiten und Fertigkeiten in unseren Kindern entstehen. Dessen sollten wir uns wieder ganz bewusst sein. Natürlich werden unsere Kinder auch von außen beeinflusst und natürlich macht es keinen Sinn Kinder abgeschottet von der Umwelt aufwachsen zu lassen. Haben wir jedoch in den ersten Jahren den Grundstein für christliches Verhalten gelegt, können unsere Kinder auf diese Basis zurückgreifen und zwar nicht nur das Lernen betreffend, sondern in ihrem ganzen Leben. Der wichtigste Grundsatz hierbei ist, dass wir unseren Kindern jenes Verhalten vorleben, welches wir von ihnen wünschen. Das fängt bei der Tagesstruktur an. Kinder die von klein auf an einen geregelten Tagesablauf gewohnt sind, haben auch mit zielgerichtetem planvollen Lernen im häuslichen Unterricht weniger Probleme.

Die ersten grundlegenden Verhaltensweisen die Mason aufzählt lauten: Taktgefühl, Wachsamkeit und Beständigkeit. Diese sollten „mit der Muttermilch eingesogen werden“. Dieses Verhalten leben wir vor, indem wir angemessen und ständig auf das Einhalten gewisser Regeln achten. Das gilt in jeder Hinsicht: Wenn wir mit unseren Kindern, oder für sie, einen Lernplan erstellen, sind wir auch dafür zuständig, dass dieser eingehalten wird. Wenn wir sagen: wir machen jeden Tag 15 Minuten Mathematik, dann ist nach 15 Minuten Schluss. Darum ist es auch so wichtig, dass sich Zeitdauer und Inhalt der Pläne mit der Lernentwicklung des Kindes ändert. Dazu noch später. Weigert sich ein Kind zu lernen, liegt das daran, dass es eine schlechte Gewohnheit erlernt hat. Nämlich die, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse über die der Anderen zu stellen. Das richtige Verhalten müssen wir dann wieder neu einlernen. Mason betont es sehr – und sie hat so recht – dass es hat keinen Sinn macht stundenlang an einem Fach zu sitzen, um ein Arbeitspensum zu schaffen! Die Abwechslung der Tätigkeiten ist von Bedeutung, wenn es darum geht, unseren Kindern die Freude am Lernen zu erhalten.

Einige Kinder haben vielleicht Probleme über eine bestimmte, festgesetzte Zeit bei der Sache zu bleiben. Hier ist es unsere Aufgabe das Kind an seinen Auftrag zu erinnern, mit Taktgefühl und ständig und durch einen angemessenen Arbeitsplan das Lernen zu lenken. Masons Grundsatz, das Thema, oder wenn ihr wollt der Motivationsspruch, war und ist: I am, I can, I ought, I will. „I am“ im Sinne von, jedes Kind ist individuell verschieden „I can“ es hat die Möglichkeit etwas zu tun „I ought“ wir kennen die richtige Entscheidung die zur Ausführung leitet (Jakobus 1,22) „I will“ und diese Entscheidung fällt positiv, kraftvoll für die Ausführung aus, Alles recht und schön. Aber in der Praxis?

Grundsätzlich… Mason warnt uns davor unsere Kinder zu verweichlichen und zwar auf eine ganz besondere Art und Weise. „Wir haben auf dem Plan zwar Geschichte stehen, aber heute ist es so schön und für morgen ist Regen gemeldet, geht doch einfach hinaus zum Spielen. Wir sind ja im häuslichen Unterricht, wir können es uns einteilen.“ Kennt ihr das? Ihr habt schon eine Planung vorgenommen und zwar diese: heute ist Geschichte dran. Was lernen die Kinder daraus? Man kann Ausnahmen machen! Warum sollen wir dann nicht morgen auch eine Ausnahme machen, oder übermorgen? Und schon entsteht etwas sehr Ungeliebtes, aber Bekanntes: das Chaos. Auch hier gilt es taktvoll und beständig ein Vorbild zu sein. Wir verlangen unseren Kindern sehr viel ab, wenn sie sich ständig auf Veränderungen einstellen müssen. Gute Gewohnheiten helfen dem Kind und auch uns Erwachsenen gute Entscheidungen zu treffen. (Im Sinne von Römer 12,2)

Diese Gewohnheiten lokalisiert Mason nicht nur im geistigen Handeln, sondern auch im körperlichen Tun. Sie empfiehlt Kinder schon früh zur sportlichen Betätigung zu ermutigen, da dies ihrer Erfahrung nach großen Einfluss auf die Fähigkeit der Kinder hat ihre Gedanken und Gefühle in richtige Bahnen zu lenken. Was empfiehlt Mason nun, um das richtige Verhalten zu formen? Erstens, ermutigt sie uns zu erkennen, dass das richtige Verhalten sich selbst belohnt, also keiner externen Bewertung in Form von Noten oder Süßigkeiten, etc. bedarf. Wenn das Kind durch Konzentration und Eifer vor der festgelegten Zeit mit seiner Arbeit fertig ist, gehört der Rest dieser Zeit dem Kind, es darf darüber frei verfügen. Auch dies sollen wir bemerken, und zwar immer: Sieh wie schnell du das geschafft hast! Du hast dir nun 5 Minuten Pause verdient! Doch bis es so weit ist, wird es unsere Aufgabe sein darauf zu achten, dass die Anforderungen an den Zeitplan angepasst sind und dieser eingehalten wird. Auch für den Fall, wenn gar nichts mehr geht, hat Mason einen Rat: wechselt das Thema! Macht etwas ganz Anderes und tauscht einfach die Fächer. Dann kommt wieder in das schwierige Thema zurück, denn eines ist klar, die Aufgaben sollen erfüllt werden.

Kleinkinder

Masons Ratschläge fangen nicht mit dem Schulalter an, oder im Kindergarten. Sie beginnt mit dem Säugling. Wenn ihr merkt, dass das kleine Kind sich einer Sache zuwendet, ergreift diese Gelegenheit und versucht durch passende Geschichten, Lieder oder Reime die Aufmerksamkeit eine kurze Zeit lang aufrecht zu erhalten. Tut das bewusst! Oft flunkern kleine Kinder gerne, wenn sie etwas erzählen. Haltet sie dazu an bei der Realität zu bleiben. Märchen gibt es im Märchen und sonst nicht. Ihr tut euch und den Kindern etwas Gutes damit. Ab dem zweiten Lebensjahr wird es zur Aufgabe der Kinder ihre Sachen selbst wegzuräumen. Achtet darauf, dass die Spielzeuge im Kinderzimmer in Ordnung sind. Sortiert zum Beispiel immer wieder leere Filzstifte aus, spitzt die Farbstifte mit dem Kind, legt die Puppenkleidung zusammen, stellt die Autos schön ins Regal. Jedes Ding hat seinen Platz und jedes Ding sollte auch Nützlich sein! Fangt auch in diesem Alter an das Kind an Regelmäßigkeiten zu gewöhnen. Die tägliche Spielzeit, das tägliche Essen, der tägliche Spaziergang. So ist euer Kind daran gewöhnt, dass es zu Hause eine strukturierte Zeit gibt.

Die Aufmerksamkeit

Die Fähigkeit Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten ist eine sehr wichtige Voraussetzung für das Lernen. Unser Bewusstsein, das Denken, ist grundsätzlich immer in Bewegung, darum ist es um so wichtiger schon früh zu lernen diese Gedanken in bewusste Bahnen zu lenken. Mason definiert das Denken über das Gesetz der Assoziationen, also über das Herausbilden von Verknüpfungen. Sie bezeichnet diese Fähigkeit als „guten Diener, aber schlechten Lehrherrn“. Es ist unsere Aufgabe die Lerninhalte interessant zu machen. Darum ist unser grundsätzliches Interesse am Lerninhalt eine Voraussetzung. Vor allem sollen wir darauf achten, dass die Kinder nicht über ihren Büchern träumen. Wenn wir bemerken, dass nichts mehr weitergeht, ist es Zeit das Thema mit einem komplett anderen Thema auszutauschen. Wir sollen auch darauf achten, dass sich komplizierte Fächer in denen wir viel nachdenken müssen mit entspannenden Fächern abwechseln. Auch die Zeiteinteilung trägt dazu bei, die Aufmerksamkeitsspanne zu erhöhen. Wichtig dabei ist das Augenmerk auf sorgfältiges Arbeiten zu legen. Die Anzahl der Aufgaben soll ein sorgfältiges Arbeiten ermöglichen. Für Kinder unter acht Jahren ist eine Zeitspanne von bis zu 20 Minuten pro Einheit genug! Wir sollen unsere Kinder richtig loben. Lob ist eine natürliche Belohnung. Natürliche Belohnung sind Dinge die als logische, positive Konsequenz auf ein Handeln folgen. Dazu gehört also auch die Zeit die ich mir einspare. Mason schreibt, dass Kinder die fürsorglich erzogen werden, fast keine Bestrafung nötig haben. Trotzdem dürfen wir es nicht akzeptieren, wenn Kinder zum Beispiel das Lernen verweigern. Hier ist wieder das Taktgefühl, die Wachsamkeit und Beständigkeit der Mutter gefragt. Ein schlechter Nebeneffekt der beim Lernen entstehen kann, wird von Mason auch bemerkt. Es könnte sein, dass die Kinder ins Wetteifern verfallen. Darum: Gute Noten (im Sinne von Lob, als Belohnung) gibt es für gutes Benehmen und nicht vor erbrachte kognitive Leistungen. Hierzu gehört auch der Fakt, dass unsere Kinder nicht für uns, oder für sich selbst lernen, sondern um einen Arbeitsauftrag zu erfüllen, denn alles andere ist sehr schwierig. Wir lernen weder für die Eltern (oder die Schule), denn dann fehlt uns die nötige Aufmerksamkeit die wir brauchen um uns sorgfältig zu arbeiten (oder auch einfach der Wille dazu), noch für uns selbst, denn Christus steht an erster Stelle in unserem Leben und nicht wir. In Österreich gibt es eine Schulpflicht die neun Jahre beträgt und diese Pflicht haben wir zu erfüllen (Lukas 20,25). Lobt also die Kinder, wenn sie es schaffen, ihren Fokus auf das zu Lernende zu legen! „Das war eine sehr gute Arbeitsleistung von dir!“, statt „Du bist aber klug!“. Wenn ihr euch diese Ratschläge zu Herzen nehmt, wird es möglich Abschweifen, Schlampigkeit und Unmut im Keim zu ersticken. Für nicht erledigte Aufgaben, oder zusätzliche Arbeiten falls ihr das als notwendig erachtet, sieht Mason nicht mehr als 1,5 Stunden am Nachmittag vor! Sie ermutigt euch daran zu glauben, dass eure Kinder mit der Zeit lernen werden, ihre Aufgaben zu vollenden, wenn ihr konsequent seid.

Die Fähigkeit zu Denken

Das Ausformen der Aufmerksamkeit bildet hierzu die Grundlage. Der Begriff „Denken“ bedeutet bei Mason den Weg von Ursache und Wirkung, oder umgekehrt, mental nachzuvollziehen. Dies ist also ein klar begrenzter Bereich mit einer Zielsetzung. Mason erinnert uns daran, dass wir das Vorstellungsvermögen des Kindes „füttern“, da wir dem Kind die mediale Grundlage (auch verbal) darbieten. Kinder stellen oft die Frage „warum…“, dies sollten auch wir tun. Fragt die Kinder nach ihren Lerninhalten so, als wärt ihr die Schüler, damit regt ihr das gerichtete Denken an.

Die Fähigkeit sich zu Erinnern

Ich möchte hier nicht näher über die Gedächtnisleistungen des Menschen eingehen. Für uns ist im häuslichen Unterricht jede Fähigkeit von Bedeutung, die es uns ermöglicht Erinnerungen auf „Befehl“ (unserem eigenen) zu reproduzieren. Mason betont hier die Wichtigkeit der Wiederholung. Jede Lektion beginnt mit dem Ende der letzten Lektion. Darum liegt es an euch eine sinnvolle Reihenfolge einzuplanen. Dann wird uns die Fähigkeit des Assoziierens zum Um Wissen zu festigen benötigen wir Zeit! Fragt immer wieder nach: was war davor und was war davor? Denkt beim Planen daran, dass wir Gleiches mit Gleichem verbinden! Solche Dinge können wir uns besser merken. Sucht nach den Gemeinsamkeiten im Lehrplan!

Die Fähigkeit Aufgaben exakt auszuführen

Zu aller erst: gebt dem Kind nie eine Aufgabe zu lösen, die es nicht lösen kann! Wenn ihr wisst, dass euer Kind 7 Buchstaben perfekt schreiben kann und ab dem achten schlampig wird, dann gebt ihm 7 Buchstaben und diese perfekte Ausführung wird gelobt! Lasst die Kinder Bibelsprüche in ein eigenes Notizheft schreiben, oder auch einen Satz aus einem Buch das ihr gerade lest. Helft den Kindern dabei eine Form einzuhalten. Unterstützt sie durch angemessene Zeitpläne.

Die Fähigkeit sich Unterzuordnen

Unterordnung ist die grundlegende Fähigkeit im Leben. Es ist unsere Aufgabe die Kinder auf eine intelligente Art zur Selbstbeherrschung und Rechtschaffenheit zu erziehen. Hierbei geht es nicht um „tue dies“ oder „tue jenes“, sondern um jene Unterordnung die uns die Schrift lehrt. (5. Mose 5,16; Sprüche 6,20) Erwartet die Unterordnung von eurem Kind. Erwartet, dass eure Anforderungen erfüllt werden. Fordert die Einhaltung mit Taktgefühl der Aufgaben und Regeln ein. Lasst euch nicht auf Ausnahmen ein. Kinder die mit Regeln gut umgehen können, können auch mit Freiheit gut

Über die Wahrheit und das Temperament

Zu guter Letzt das Temperament…. Unsere Kinder werden nicht mit einem aufbrausenden Temperament geboren, sie können lediglich mit den Anlagen dazu geboren werden. Es liegt an uns was wir zulassen und was nicht. Darum erneut: seid Wachsam, taktvoll und konsequent. Eine Lüge ist eine Lüge. Schlechtes Benehmen ist schlechtes Benehmen und zwar immer. Arbeitet nicht an den schlechten Gewohnheiten, arbeitet an den guten! Dann kann das gute Benehmen zur Regel werden. Nachzulesen in : Home Education Vol.1 (von Charlotte Mason), When Children Love to Learn (von Elaine Cooper, S. 87 ff.)


 

6 tools for self-education

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“The children, not the teachers,

are the responsible persons;

they do the work by self-effort.”

Charlotte Mason, Vol. 6, p.6

 

 

1. Lies ein wertvolles Buch!

“Wir müssen lesen, mit dem Ziel, wirklich etwas zu wissen,

ansonsten wissen wir nichts, obwohl wir lesen.”

(CM, Vol. 6, p.13)

 

2. Fasse in eigenen Worten zusammen!

“Wenn ein Schüler etwas in eigenen Worten sagen kann, können wir sicher sein, dass er es verstanden hat und weiss. Wenn er es nicht sagen kann, dann weiss er es auch nicht.” (CM, Vol. 6, p. 172f)

 

“Knowledge is not assimilated until it is reproduced.” (CM, Vol 6, p. 155)

 

 

3. Beobachte genau und sorgfältig!

Echtes Lernen geschieht, wenn die Schüler zum Denken angeregt werden

und Zusammenhänge erkennen

und diese mit ihrem Leben und Wissen verbinden können. (www.amblesideschweiz.ch/ The Science of Relations)

 

4. Notiere deine Entdeckungen!

  • Schreib-Hefte: für ihre Aufsätze, schriftliche Nacherzählungen, Diktate, Grammatik-Entdeckungen
  • Ein Motto-Buch: für Lieblingszitate aus den Büchern, die sie gerade lesen
  • Ein Jahrhundertebuch: eine Zeitleiste um geschichtliche Zusammenhänge zu erkennen
  • Ein Naturtagebuch: für Beobachtungen in der Natur
  • ein Mathematik-Notizbuch: für Mathematikprinzipien, die sie unter unserer Anleitung entdeckt haben

 

 

5. Lerne auswendig und trage es vor!

“It is a delightful thing to have the memory stored with beautiful, comforting, and inspiring passages.” (CM, Vol.1, p 253)

 

“The one reciting should speak beautiful thoughts so beautifully, with such delicate rendering of each nuance of meaning, that he becomes to the listener the interpreter of the author’s thought.” (CM, Vol. 1, p. 223)

 

6. Kreiere etwas Eigenes!

Das kann ein Vortrag, ein Lapbook, ein Plakat, eine Powerpoint, eine Zusammenfassung oder eine Lektion sein.

 

“There is no education but self-education

and only as the young student works with his own mind

is anything effected.”

(CM, Vol.6, p.289)

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Yasmine Luethi ist Referentin beim Homeschool-Seminar 2017 am Annaberg.
Sie lebt mit ihrer Familie in Rumänien.
Hier könnt ihr den sehr interessanten Blog von Yasmine lesen:
https://lebenundlerneninrumaenien.wordpress.com/2017/02/28/wie-kann-mein-kind-ein-selbstaendiger-lerner-werden/


 

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