Charlotte Mason Serie (2)

Mathematik zum Aufbau von Konzentration und exaktem Ausführen

Gehen wir gleich zur Sache. Die ersten Fragen sind bereits aufgetaucht. Es geht um das Thema Mathematik und Länge der Lektionen für einen Mittelstufenschüler (5. Klasse).

 

Stetiger Ausbau der Konzentration

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Mason diese Dauer von Lektionen (15-20 Minute Unterstufe, 20-30 Mittelstufe, 30-45 Oberstufe) selber so angeordnet hat. Mir ist jedoch bekannt, dass in CM-Schulen diese Längen empfohlen werden. Hinter diesen Überlegungen stehen zwei wichtige Leitideen Masons.

  1. Die Gewohnheit der Aufmerksamkeit
  2. Die Gewohnheit des exakten Ausführens

Ich glaube, dass gerade Mathematik die Gelegenheit bietet, diese beiden Gewohnheiten bei einem Kind zu etablieren. Ich gehe mit Mason einig, dass die Gewohnheit der Konzentration langsam und stetig auf- und ausgebaut werden soll. Wir haben selber erlebt, dass wir nach einem Jahr öffentlichen Kindergarten mindestens zwei Monate benötigten, um die Grundaufmerksamkeit unseres Kindes zurückzuholen.

 

 

Mathematik mit meinem Fünftklässler (Beispiel)

Zurzeit wählte ich mit meinem Ältesten Ende Primarschule folgendes Vorgehen:

  • Mathematik kommt zuerst, weil Mathematik das Arbeiten in der (relativen) Schwäche darstellt. Es geht darum zu lernen, das Wichtige und Schwierige nicht aufzuschieben.
  • Ich habe gemerkt, dass es zur „Einstimmung“ jeweils einen schriftlichen Block braucht. Also schicke ich ihn mit einer Seite Aufgaben aus dem Zürcher Lehrmittel ins Zimmer. Er hat es sich zur Gewohnheit gemacht, 30 Minuten auf der Uhr zu stoppen. Mindestens fünf Minuten soll er dazu verwenden, „unsichere“ Resultate nochmals zu überprüfen. Ich frage ihn jedes Mal, ob er die Aufgaben, die er sich mit einem Punkt markiert hat, nochmals überprüfen konnte.
  • Nach der ersten Einheit folgt in der Regel 15 Minuten mündliche Arbeit, sprich Kopfrechnen. Je nach Müdigkeit frage ich zwischen 12 und 20 Rechnungen ab.
  • Drittens löst er direkt im Anschluss ans Kopfrechnen ein bis zwei schwierige Satzaufgaben aus Übertrittprüfungen. Diese Aufgaben kontrolliere ich direkt im Beisein von ihm. Wir reflektieren zusammen, welche Überlegungs- oder Flüchtigkeitsfehler unterlaufen sind.
  • Insgesamt dauert diese Einheit etwa 75 Minuten. Danach geht er ans Klavier, um sich zu entspannen. Ich habe aber den Eindruck, dass Musik eine ideale Ergänzung zum Mathematikunterricht ist.

 

Antwort

Zurück zur Frage: Ich würde nie sklavisch an diesen Lektionenlängen festhalten, sondern vielmehr fragen: Wo steht mein Kind zurzeit bezüglich Aufmerksamkeit? Wie könnte ein nächster aufbauender Schritt aussehen? Wie kann es mir gelingen, diesen Ausbau in einigen Monaten sicherzustellen? Im „Tagesgeschäft“ wäre es mir zudem wichtig in Erfahrung zu bringen, wie müde das Kind ist; bei welcher Art von Tätigkeit es gerne „aussteigt“ (= sich ablenken lässt). Ich neige eher dazu, die Einheiten zu lange zu halten und das Kind damit zu frustrieren.

 

P. S. Selber habe ich nach Jahren den Eindruck, dass Mathematik nicht eben die Stärke von Masons Ansatz darstellt. Es lässt sich jedoch sehr gut mit den Grundideen Masons kombinieren!

 

Hanniel (38) und Anne Catherine (35) unterrichten ihre Kinder, fünf Söhne im Altern von 10, 8, 6, 4 und 2 Jahren, seit 2008. Anne Catherine ist Grundschullehrerin, Hanniel arbeitet Teilzeit als Personalentwickler in einer privaten Spitalgruppe.

Hanniel bloggt auf  http://hanniel.ch/  und ist Verfasser des Buches „Home Education“ (VKW: Bonn 2011).


 

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