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Hanniel Strebel : Ein neues Schuljahr

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Ein neues Schuljahr steht für uns Schweizer vor der Türe. Wir haben es uns zur Angewohnheit gemacht, in Jahren zu denken. Das bedeutet, die Grobplanung für das kommende Jahr vorzunehmen. Was hat sich bewährt, was muss angepasst werden? Wie sieht unsere Wochenstruktur aus? Welches Kind besucht welche Kurse ausser Haus (Turnen, Schwimmen, Theater, Gesangs- und Instrumentalunterricht)? Wichtiger noch als diese formellen Überlegungen sind die inhaltlichen. In der Fülle der täglichen Aktivitäten drohen sie vergessen zu gehen.

1.      Charakterziele für jedes Kind

Gott hat jeden unserer Söhne mit einer bestimmten Persönlichkeit ausgestattet. Jeder steht an einem anderen Punkt seiner Entwicklung. Wir machen die Erfahrung, dass Entwicklungssprüngen oft mühsame Zeiten vorangehen. Der eine ringt damit, an einer Sache dranzubleiben. Ein anderer kämpft bei einem neuen Thema mit Anlaufschwierigkeiten. Der dritte lernt, Arbeitsaufträge genau zu lesen, bevor er mit der Umsetzung beginnt. Bei der Bestimmung von Charakterzielen zeigt sich, wie wichtig das Zusammenspiel zwischen den Eltern ist. Als Vater bin ich dienender Leiter meiner Familie. Ich verantworte die Ziele und stehe in der Pflicht, die Diskussion zu führen. Das Durchhaltevermögen im Heimunterricht hängt auch davon ab, wie sich der Mann in das gemeinsame Unternehmen einbringt.

2.      Fördern in den Stärken

Nach der charakterlichen Entwicklung ist uns an der inhaltlichen Entwicklung gelegen. Wie hat Gott unsere Söhne begabt? Der eine freut sich besonders über Sprachen. So beginnt er, sich in kleinen Portionen einer dritten Fremdsprache zu nähern. Der andere zeigt ausgesprochene Freude beim Zeichnen. Wir ermutigen ihn, ein separates Zeichnungsheft zu führen. Ein dritter schreibt gerne, weshalb wir ihn im Schreiben von Briefen und eines Tagebuchs anleiten. Fortschritte im Klavierspiel spornen an, neue und schwierigere Stücke in Angriffe zu nehmen. Das bedeutet, täglich diszipliniert zu üben. Wie kann man sich sinnvolle Übungsziele setzen? Auch das will gelernt sein.

3.      Lernen in den Schwächen

Nicht jedem fällt das Kopfrechnen einfach. Während dem Bruder das Lesen einfach fällt, kostet dem anderen das Lesen eines Textes viel Energie. Schönschrift? Ja, wir möchten gerne eine Reihe solcher schöner Buchstaben sehen, es können nur wenige sein. Manche Zeiten rauben Kraft und kosten Energie. Es wäre einfacher, abzubrechen oder das Kind sich selbst zu überlassen. Doch genau diese Hürden werden zu unwiederbringlichen Lerngelegenheiten.

4.      Das erweiterte Engagement des Vaters

Unsere Söhne werden älter. In den letzten Monaten habe ich gemerkt, wie stark sie sich an mir orientieren. Sie wollen mit dem Vater Abenteuer erleben. Sie wollen wissen, wie ich Dinge anpacke. Leider ist meine Arbeit nicht so nahe bei ihnen, dass ich sie mitnehmen oder beteiligen kann. Dafür werde ich nächstes Jahr den Montagmorgen mit den beiden Ältesten verbringen. Ich lese mit ihnen die Bibel, gebe ihnen eine Portion Aufgaben in Mathematik, lasse sie lesen und einen kurzen Aufsatz schreiben. Wenn noch Zeit übrig bleibt, kommen Englisch-Vokabeln oder eine Einheit „Computer-Kunde“ dazu. Zwischendurch üben wir uns im Pingpong. So zumindest sieht meine Planung aus.

Mein Vater pflegte zu sagen: Wir sollen planen, aber wir dürfen uns nicht sorgen. Sorgt euch nicht für den morgigen Tag, der heutige hat an seinem Übel genug (Matthäus 6,34). Werft eure Sorgen auf ihn, denn er sorgt für euch (1. Petrus 5,7). Bei aller Planung möchte ich darin wachsen, Tag für Tag zu nehmen. Hinter dem Unternehmen „Heimunterricht“ steht die Überzeugung, dass Gott uns unsere Kinder auf Zeit anvertraut hat. Wir haben uns dafür entschieden, uns während ihrer ersten Lebensetappe in sie zu investieren. Bei allem Eifer und Fleiss bin ich mir bewusst, dass sein Segen reich macht und eigene Anstrengung nichts hinzufügt (Sprüche 10,4+22). In dieser Haltung der „aktiven Passivität“ wünsche ich zu wachsen.

 Hanniel (38) und Anne Catherine (35) unterrichten ihre Kinder, fünf Söhne im Altern von 10, 8, 6, 4 und 2 Jahren, seit 2008. Anne Catherine ist Grundschullehrerin, Hanniel arbeitet Teilzeit als Personalentwickler in einer privaten Spitalgruppe. Hanniel bloggt auf www.hanniel.ch und ist Verfasser des Buches „Home Education“ (VKW: Bonn 2011).

Category: Gastblogger | Tags:

Home Education

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Grundsätze:

  • Wir können nur das fördern und unterstützen, was vorhanden ist.
    • Alles andere zerstört Interesse und Freude des Kindes und verschleisst meine Kräfte als Lehrende

 

 

  • Jedes Kind hat unterschiedliche Begabungen!
    • Erkennen, wo die Schwerpunkte des einzelnen liegen

 

 

  • Wissensgebiete miteinander verknüpfen.
    • Nicht zu stark in Schubladen lernen (Deutsch, Mathe, Musik, Realien, Religion….)
    • Entwicklung von Charaktereigenschaften geht vor (Aufmerksamkeit, Gehorsam, Ordnung etc.)

 

 

  • Mit andern vernetzen!
    • Kontakte aktiv planen und angehen
    • Generationenübergreifendes Lernen

 

 

  • Kinder prägen
    • Das Elternhaus prägt für das ganze Leben!
    • Sich dessen bewusst sein und sich immer wieder mit dem Elternhaus und der Atmosphäre zuhause auseinander setzen

 

 

 

Quelle: http://hanniel.ch/2012/09/08/home-education-warum-wir-uns-dem-lernen-verschrieben-haben/

Category: Allgemein

Einblick in das Leben einer anderen Grossfamilie

 

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Wir sind eine neunköpfige Familie aus Österreich. Seit ca. drei Jahren unterrichte ich (Susi) fünf meiner sieben Kinder zuhause. Drei davon sind im schulpflichtigen Alter und zwei noch Vorschüler. Die beiden älteren Kinder besuchen eine höhere Schule.

Homeschooling ist in Österreich nicht gerade eine gängige Schulalternative. Ich suchte daher andere Familien, die diesen Weg schon gegangen sind und kam mit vielen Freilernern in Kontakt. Doch das freie Lernen kam für mich nicht in Frage. Die Homeschooler waren in Österreich zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Gruppe organisiert. So stieß ich auf die Schweizer Homeschooler und auf Hanniels Blog.

Mehr zu meinem Beitrag zu Hanniels Blogjubiläum findet ihr hier : http://hanniel.ch


 

Wie gestalten wir den Fremdsprachenunterricht nach Charlotte Mason?

In diesem Bereich, so muss ich gestehen, lehne ich mich gedanklich nicht so nahe an Mason an. Überhaupt sind meine Ausführungen in dieser Serie eher eine Beschreibung dessen, was wir von Mason gelernt und, geprägt durch unsere eigenen Persönlichkeiten und Lernerfahrungen, in unserer Familie umgesetzt haben.

 

Unser Ansatz zum Fremdsprachenlernen sieht so aus:

  1. Wir sind ständig auf der Suche nach lebendigen Büchern. Als besonders ergiebig hat sich bisher ein Brockenhaus erwiesen, in dem wir regelmässig Bücherbestände von ehemaligen Lehrkräften finden.
  2. Wir machten es uns zur Pflicht, Bücher in ihrer Originalsprache vorzulesen, zur Hauptsache in Deutsch, Englisch und Französisch. So werden die Kinder, früh mit Aussprache und Wortlaut vertraut. Meine Frau übersetzt die Texte oft ins Deutsche. Heute fragen wir unsere Älteren, ob sie den Jüngeren den Text übersetzen bzw. zusammenfassen können.
  3. Das Vorlesen in vertrauter Atmosphäre im Kreis gehört zur täglichen Gewohnheit des Unterrichts meiner Frau. Die Kinder sind davon angezogen, man muss sie nicht rufen. Einfache Sätze und Bilder sind wichtige Hilfen für das inhaltliche Verständnis.
  4. Ab und zu spielen wir den Kindern auch Ausschnitte aus Filmen mit der Originalsprache vor. Sie sind davon nicht besonders angetan. Eine Variante ist die Einstellung mit deutschen Untertiteln.
  5. Mit unserem Dritten haben wir einen Versuch unternommen. Meine Frau absolviert mit ihm einen Langenscheidt-Sprachkurs Italienisch. Er lernt vor allem ab CD ganze Sätze auswendig. Jetzt besucht er den Italienisch-Unterricht für Secondos (Fremdsprachige zweiter Generation).
  6. Die Kombination von Buch und CD ist ab Mittelstufe eine gute Sache. Das Kind hört sich (täglich) einen Abschnitt ab CD an und liest parallel im Buch nach. Manchmal hat es sich als hilfreich erwiesen, nachher noch die deutsche Übersetzung zu lesen. Oft lasse ich mir das Gelesene auf Deutsch zusammenfassen.
  7. Wann immer wir mit einer Sprache in Berührung kommen, machen wir die Kinder darauf aufmerksam. Nach Möglichkeit beginnen wir mit der Person ein Gespräch.
  8. Ohne Vokabeln-Lernen geht es nicht. Unsere Kinder lernen ganze Sätze ab kleinen und grossen Lernkarten. Ab Mittelstufe lassen wir die Vokabeln schreiben.

 

Hanniel (38) und Anne Catherine (35) unterrichten ihre Kinder, fünf Söhne im Altern von 10, 8, 6, 4 und 2 Jahren, seit 2008. Anne Catherine ist Grundschullehrerin, Hanniel arbeitet Teilzeit als Personalentwickler in einer privaten Spitalgruppe.

Hanniel bloggt auf  http://hanniel.ch/  und ist Verfasser des Buches „Home Education“ (VKW: Bonn 2011).


 

Das Kernstück nach Charlotte Mason: Nacherzählen

 

Zwei weitere Fragen sind mir gestellt worden. Sie betreffenden den für die Bildungsphilosophie von Mason so zentralen Narrativen Ansatz. Es geht um die Gewohnheit, Gelesenes und Gehörtes in eigenen Worten wiederzugeben. Wie „funktioniert“ dieser Ansatz?

  • Wähle Klassiker mit reichen Inhalten.
  • Lies in der Originalsprache. Die Kinder brauchen nicht lange, um mitzukommen.
  • Test: Wenn du unsicher bist, ob ein Buch die Kinder anspricht, dann lies eine Seite vor und achte auf die Reaktionen.
  • Der Text muss für sich sprechen. Füge keine langen Erklärungen an.
  • Bebilderte Bücher sind ein Zusatzgenuss. Wähle Versionen mit guten Illustrationen.
  • Bevor du weiter liest: Lass die Kinder in eigenen Worten die letzte Etappe zusammenfassen. Das bereichert ihren Wortschatz, steigert ihre Konzentration und gibt dir eine Vorstellung davon, was hängen geblieben ist.

Jetzt aber zu den Fragen.

  1. Kinder erzählen, was sie spannend finden und was ihnen gefallen hat. Darf man Kinder unterbrechen und nachfragen?

Zuerst: Eine Erzählkultur muss aufgebaut werden. Ich erfahre dies als Langzeitprojekt. Es braucht einige Monate, bis die Kinder sich ans Nacherzählen gewöhnt haben. Wir merken mit den Jahren, dass die Kinder von sich aus kommen und unaufgefordert erzählen wollen. Dabei erfahre ich mich manchmal als Bremser. Ich löse mich nur ungern aus eigenen Beschäftigungen heraus. Ich muss mich innerlich aufraffen und dem Kind gezielt zuhören. Wenn ich das nicht tue, dann wird es weniger zu mir kommen.

Für die erste Phase des Aufbaus empfehle ich: Beginne mit kurzen Abschnitten. Ganz wichtig ist meine innere Haltung als Erzähler. Die Atmosphäre ist entscheidend: Ungeduld überträgt sich sofort auf den Erzählenden. Dazu rate ich: Lass das Kind auf jeden Fall ausreden. Wenn es fertig ist, schweige noch fünf bis zehn Sekunden still. Vielleicht fügt es dann noch etwas hinzu.

Unterbrechen erlebe ich als ungünstig. Es passiert mir auch immer wieder. Unentbehrlich finde ich jedoch das Nachhaken: „Jetzt habe ich gehört, was du erzählt hast. Was steht sonst noch in der Geschichte?“ Auch hier lasse ich dem Kind Zeit zum Nachdenken. Eine andere Form hört sich so an: „Was müsstest du jemandem erzählen, der den Text noch nicht kennt, damit er die Geschichte versteht?“ Manchmal verknüpfe ich die Zusammenfassung auch mit einer Bewertung des Gehörten: „Was ist deine Lieblingsstelle?“ „Gibt es etwas, das dich am Text gestört hat?“ Eine häufige Antwort darauf ist. „Alles bzw. nichts.“ – „Was besonders?“ Die zweite und dritte Frage erst erschliesst dem Kind und mir den Raum, genauer auszuführen. Fazit: Ich gebe mich selten mit der ersten Antwort zufrieden.

  1. Wie funktioniert das Nacherzählen in der Gruppe?

Die Familie ist der erste Trainingsplatz für Charakterentwicklung. Gegenüber Mitgliedern der eigenen Familie sind wir am offensten, leider oft auch am ungnädigsten. Ich finde es sehr anspruchsvoll, inmitten der Bubenschar dafür zu sorgen, dass einer dem anderen zuhört. Der Wettbewerb unter fünf Söhnen ist gewaltig. Besucher haben mich schon darauf aufmerksam gemacht, dass einer den anderen ins Wort fällt. Das mag eine Schattenseite der ausgeprägten Erzählkultur sein. Ich ziehe überschäumendes, ungeduldiges Berichten einer kalten, teilnahmslosen, wortkargen Umgebung weit vor!

Hier sind einige weitere Möglichkeiten, die ich einsetze, um das Nacherzählen in der Gruppe zu fördern:

  • Ältere lesen den Jüngeren vor; die Jüngeren fassen für die Gruppe zusammen. (Mit der Zeit können die Jüngeren den Älteren zusammenfassen. So werden die grösseren Kinder mit in die Verantwortung genommen.)
  • Verzögertes Nacherzählen: Ich fordere den Bericht nicht sofort ein, sondern in einer günstigen Situation (oft unter vier Augen).
  • Manchmal fragen die Kinder: „Warum musst du das hören? Du weisst es ja schon!“ Meine Antwort: „Es interessiert mich sehr zu hören, was du gehört hast.“
  • Mami liest vor, die Kinder erzählen es Papi oder einer anderen Person, die nicht zugehört hat.
  • Der Jüngste beginnt mit dem Nacherzählen. Die Älteren lassen den Jüngsten ausreden. Sie machen dann ihre eigene Zusammenfassung oder ergänzen.

 

Hanniel (38) und Anne Catherine (35) unterrichten ihre Kinder, fünf Söhne im Altern von 10, 8, 6, 4 und 2 Jahren, seit 2008. Anne Catherine ist Grundschullehrerin, Hanniel arbeitet Teilzeit als Personalentwickler in einer privaten Spitalgruppe.

Hanniel bloggt auf  http://hanniel.ch/  und ist Verfasser des Buches „Home Education“ (VKW: Bonn 2011).